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Interview: DARK AGE
Titel: Mit Leidenschaft dabei

Vokalist und Gitarrist Eike Freese, Gitarrist Jörn Schubert, Tieftöner Alex Frank, Tastenmann Martin Reichert und Schlagzeuger André Schumann, den allermeisten besser bekannt als Dark Age, zählen seit Jahren zu allerbesten Melodic Death Metal-Acts aus deutschen Landen überhaupt.

Bislang erhielt diese wirkliche Topband im Vergleich zu manch anderem Genretrend leider noch nicht die gebührende Aufmerksamkeit von Fans und Musikmedien, was die Beteiligten aber glücklicherweise nicht davon abhält weiterhin von Experimentierfreude durchzogene Spitzensongs zu kreieren. Davon kann man sich als Interessent auch auf dem bandneuen Studioalbum „Acedia“ wieder ausreichend überzeugen.

Noch abwechslungsreicher, noch atmosphärischer und letztlich noch viel individuell klingend als jemals zuvor zeigen die fünf ewigen Hamburger Enthusiasten darauf, wie es sich anhört, wenn man sich wirklich Gedanken um die eigene Kunst macht.

Und das neue nuancenreich schillernde Soundbild kommt beileibe nicht von ungefähr.

Denn wie Keyboarder Martin dazu erzählt, konnten sich sämtliche Gruppenmitglieder bei „Acedia“ auf kompositorischer Ebene ertragreich einbringen.

„Und ist es noch immer am wichtigsten, zusammen die Freiheit genießen zu dürfen, genau die Musik machen zu können die uns Spaß macht – und textlich genau diejenigen Sachen loszuwerden, die uns eng am Herzen liegen. Wir sind im Laufe der Jahre darüber hinaus immer gute Freunde geblieben und haben zusammen Höhen und Tiefen durchgemacht. Ein gutes Bandklima ist wichtig um gute Musik erschaffen zu können und das Feuer auf der Bühne entfachen zu können“, legt der Stromorgelspieler erstmal frisch los.

Dass Dark Age, nicht erst seit gestern dabei und noch immer hohe Güte offenbarend, im Gegensatz zu mancher überbewerteter Band, beispielsweise aus Skandinavien, bislang nicht ausreichend Popularität beziehungsweise Anerkennung aus der Szene zuteil wurde, juckt den Kerl nicht großartig:

„Den `Neidfaktor` möchte ich mal außen vor lassen. Ich möchte nicht darüber urteilen welche Bands es `verdient` haben groß zu sein. Dafür sind musikalische Geschmäcker einfach zu verschieden. Bands, die ich großartig finde, finden andere auch total grottig. Natürlich, wir denken schon, dass unser Bekanntheitsgrad höher sein könnte – wir wissen aber schon auch was wir können, ohne dabei arrogant erscheinen zu wollen. Aber man muss auch bedenken, dass wir bis zum letzten Album mit Remedy Records eine Plattenfirma hatten, deren Möglichkeiten was Promotion, Werbung und Toursupport angeht doch sehr begrenzt waren. Wir hoffen nun mit dem Wechsel zu AFM Records einen richtigen Schritt getan haben um unsere Musik mehr Leuten zugänglich zu machen.“

Durch das globale Internet haben es die Bands heutzutage sowieso sehr viel einfacher als früher noch, ihre Musik für andere problemlos zugänglich zu machen, so Martin. Er geht hierzu weiter in die Tiefe:

„Dadurch sind wesentlich mehr Bands präsenter und man verliert einfach den Durchblick, was Qualität hat und was nicht. Egal ob gut oder schlecht, die Bands sind einfach da. Auch wenn du dir keine große Mühe gibst einen Song zu schreiben, kannst du ihn trotzdem aufnehmen und ins Internet stellen. Früher hatte man diese Möglichkeiten nicht und musste man sich noch durch Qualität bei Gigs auszeichnen, und musikalische Qualität hat sich auch durchgesetzt. Heute entscheidet manchmal schon allein das Image und die Zahl der Myspace-Klicks über die `Qualität` einer Band. Wir selbst sind jedenfalls im Moment wieder richtig heiß darauf, auf die Bühne zu gehen und zu rocken. Unsere Musik macht uns einfach Spaß und wir sind mit viel Engagement und Leidenschaft bei der Sache.“

Wir philosophieren nachfolgend über die Metal-Szene 2009 an sich. Und der spielfreudige Keyboardspezialist gibt preis:

„Es gibt so einige Sachen, die mich dabei begeistern, auch wenn ich denke, dass der frische Wind bei vielen Bands einfach fehlt und keine neuen Ideen vorhanden sind. Da wird lieber mit dem coolen Image und Ganzkörpertätowierungen geprotzt als sich einfach mal auf die Musik zu konzentrieren. Diese Slamdancing-Geschichte verstehe ich auch nicht, aber vielleicht bin ich dafür auch zu alt. [grinst] Musikalisch haben mich Bring Me The Horizon zum Beispiel mit `Suicide Season` ziemlich umgepustet, so muss aggressiver Metal heute klingen – das war im letzten Jahr eines meiner Lieblingsalben. Die Jungs haben richtig Feuer im Arsch. Auch `Zombieactionhauptquartier` von Callejon begeistert mich nach wie vor, knackige Songs, auf den Punkt gespielt und mit intelligenten Texten. Die Jungs haben richtig Freude an ihrer Musik, es macht mir daher auch immer wieder Spaß eine Show von ihnen zu besuchen. Zudem hat es mir gerade das Debüt von Iwrestledabearonce sehr angetan, hier werden einfach alle `Metalregeln` über den Haufen geworfen, neu gewürfelt und es wird ausgeteilt ohne Ende.“

Dark Age haben das Songmaterial für „Acedia“ laut Martin wie auch schon bei ihren letzten beiden Alben wieder im Eikey Studio ihres Sängers Eike aufgenommen:

„Die Aufnahmen dauerten circa zwei Monate im April und Mai dieses Jahres. Es macht uns immer Spaß ein Album aufzunehmen und dabei Sachen auszuprobieren. Gerade mir persönlich hat es diesmal sehr viel Spaß gemacht, da wir viele Elektro-Spielereien eingebaut haben, für die wir uns reichlich Zeit genommen haben. Im Ganzen haben wir diesmal sehr viel fokussierter gearbeitet als beim Albumvorgänger `Minus Exitus`, wo wir die Aufnahmen aufgrund zeitlicher Probleme öfter unterbrechen mussten. Diesmal hatten wir einen richtigen Fluss in den Aufnahmen, was der ganzen Aufnahme sehr zu Gute gekommen ist. Alle Bandmitglieder haben im Laufe des letzten zudem Jahres alleine an Ideen gearbeitet, die wir dann Anfang 2009 zusammengetragen haben. Dadurch, dass jeder sich im Songwriting eingebracht hat ist ein sehr ausgewogenes Album entstanden, was uns als Band sehr gut widerspiegelt.“

Martin, wofür genau steht denn der neue Albumtitel „Acedia“?

Assoziationen zu betont sozialkritischen negativen Stimmungen, die man sich dabei versinnbildlichen soll?

So wirkt zumindest euer neuestes Frontcover auf mich persönlich.

„Da liegst du sehr richtig. `Acedia` kann übersetzt werden mit `der Trägheit des Herzens` und umfasst den Inhalt der Texte recht gut, die sich mit Abgestumpftheit, Verrohung, Selbstzweifeln und Antriebslosigkeit der heutigen Gesellschaft beschäftigen. Der Opener `Kingdom Nevercome` beispielsweise befasst sich mit dem Streben nach einem zufriedenen Leben durch die lebenslange Aufopferung in Fleiß und Arbeit und der finalen Erkenntnis, sich einer Illusion hingegeben zu haben an der man zerbrochen ist. `Kein Gute Laune-Album`, wie bei unserer Plattenfirma gesagt wurde.“

Einflüsse und Inspirationen? „Da sind eigentlich keine speziellen Bands zu nennen. Die Welt und was in ihr passiert als Einfluss reicht uns. Musikalisch machen wir einfach die Musik, die wir selber gerne hören und kaufen würden.“

Direkt nach dem Album-Release am 13.11.2009 steht erstmal eine einwöchige Frankreich-Tour für die Hamburger auf dem Plan, auf die sie sich natürlich schon sehr freuen, so Martin.

„Im Dezember planen wir nochmals eine kleine Deutschland-Tour – ob das klappt wissen wir noch nicht, aber Anfang 2010 soll es auf jeden Fall eine größere Tour für uns geben. Ob als Headliner oder im Vorprogramm einer größeren Band steht bislang noch nicht genau fest. Und im Sommer 2010 sollen natürlich einige Open Air Festivals nachfolgen. Da wir für `Minus Exitus` so gut wie gar nicht getourt haben, haben wir nun einiges aufzuholen. Erstmal freuen wir uns auf die Veröffentlichung des Albums und die Reaktionen der Leute. Danach auf die anstehenden Konzerte. Das wird alles sehr spannend. Markus, ich danke dir für die Interviewmöglichkeit und die interessanten Fragen. Leute: Hört in `Acedia` rein und öffnet die Ohren!“

© Markus Eck, 13.10.2009

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