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Interview: DARGAARD
Titel: Mystische Melancholie

Verschworenen Freunden mystischer und gleichfalls verträumter Klänge dürfte das österreichische Dunkelduo Dargaard bereits bestens bekannt sein.  

Denn als Anhänger von eher ruhiger und magisch anmutender Neoclassical Dark Ambient-Stilistik kommt man an den Alben von Tharen und seiner Elisabeth einfach nicht vorbei. Als 1998 das aufgrund seiner atmosphärischen Dichte und klanglicher Vollkommenheit schlagartig in aller Munde erscheinende Debüt „Eternity Rites“ erschien, war die Fachwelt sich selten einig: Dargaard hatten mit ihrer schlicht majestätischen Musik eine völlig neue und bis dato nicht da gewesene Stilistik kreiert.  

Der nicht minder reizvolle Follow-Up „In Nomine Aeternitatis“ konnte dann nicht allzu lange Zeit später den bereits gewonnenen positiven Eindruck noch einmal festigen.  

Auf diesem erneut sehr gut gelungenen Album zeigte sich dann die sprachlos machende Fähigkeit der beiden kreativen Köpfe zu scheinbar schwebenden und doch vor inhaltlicher Tiefe schier erdrückenden Kompositionen von ihrer besten Seite.  

Die durchweg ergreifenden Oden von Dargaard benötigen keinerlei Aggression oder stürmische Gefühlswallungen, um die Sinne des Konsumenten vollständig an sich zu ziehen und ihn daraus resultierend dauerhaft zu paralysieren.  

Atmosphäre lautet das anführende Schlagwort der Stunde. Und auf dem nun erscheinenden dritten Album „The Dissolution Of Eternity“ findet man ebensolche abermalig in unglaublicher Art und Weise vor.  

Dargaard haben sich darauf nun zweifellos vollständig der favorisierten Mystik und der scheinbar endlosen geistlichen Wanderung hingegeben und entsprechend ist das akustische Ergebnis auch ausgefallen.  

Die wohltuende Ruhe und die spürbare Kraft, welche die Lieder auf „The Dissolution Of Eternity“ weitreichend ausstrahlen, ermöglichen einen weit in die Nacht ertönenden musikalischen Gigantismus.

Mich diesem aufgrund seiner seelenreinigenden Wirkung wieder nur zu gerne beugend, ließ ich mir von Musikmagier Tharen und seiner schmucken Fee Elisabeth am mitternächtlichen Lagerfeuer wieder einiges erzählen.

Tharen, bei welchen Bands bist du noch involviert? Mir persönlich sind noch Amestigon und Dominion³ bekannt. Es gibt für dich dabei sicherlich immer viel zu tun.

Er winkt in aller Lässigkeit ab: „Nicht wirklich. Amestigon ist ja seit jeher eine verdammt faule Band. Proben gibt es nur sehr sporadisch, vielleicht einmal im Monat. Wir sind so gesehen keine Fans von intensivem Arbeiten. Bei Dargaard und Dominion³ bin ich ja alleine für den instrumentalen Teil verantwortlich, daher ist es auch möglich, mal um drei Uhr in der Früh ein Lied fertig zu machen. Und das passiert in letzter Zeit immer häufiger, meine innere Uhr scheint etwas verstellt zu sein.“

Hast du überhaupt noch ein Privatleben bei solcherlei Vielfalt an Aktivitäten?  

Und was machst du denn neben dem Musizieren sonst noch so?  

Mich interessieren interessante und ungewöhnliche Hobbys sowie Passionen. Tharen gibt preis:  

„Ich kann mich nicht wirklich beklagen über zu wenig Privatleben, eher über zu viel, haha! Nein, neben Musik beschäftige ich mich noch mit Grafik, Netzwerken und überhaupt mit allem, was mit Computern zu tun hat. Bringt wahrscheinlich auch meine Arbeit bei einem Provider mit sich. In meiner nicht allzu seltenen Freizeit gehe ich voll in meiner Bier-Passion auf, meistens zusammen mit meinen Kollegen von Amestigon oder Graf; also keine Fallschirmspringer-Attitüden oder Ähnliches.“

Na, dann mal hoch die Humpen. Elisabeth, wie ist denn dein Stand als Frau neben Tharen bei Dargaard? Sollte eigentlich Gleichberechtigung herrschen, da ihr auch privat ein Paar seid. Oder gerade deswegen nicht? Oder wie nun?

„Zwischen uns beiden ist das alles völlig klar; Probleme gibt es eigentlich nur mit den Klischees, mit denen ich als Frau manchmal zu kämpfen habe. So beispielsweise in Interviews mit Komplimenten wegen des Aussehens und Einladungen, in denen aber sonst keine einzige vernünftige Frage zum kreativen Anteil bei Dargaard gestellt wird. Das kann manchmal ziemlich frustrierend sein.“

Tja, die Eifersucht. Den Stil bei Dargaard kann man nur schwerlich für die Allgemeinheit definieren.  

Wie ordnest du dich selbst denn ein? Und wo siehst du dich mit Dargaard in dieser immer gigantischeren Musikwelt?

„Es ist immer eigenartig, wenn ich irgendwelchen Leuten, die noch nie mit dieser Art Musik zu tun hatten, erklären muß, was wir denn nun spielen. Ich muß da immer das Metal-Vorurteil ausräumen. Die Leute scheinen von meinem Äußeren her zu schließen, daß ich wohl nur Metal machen könnte. Wenn ich dann anfange von Dargaard zu erzählen, stoße ich meistens auf Ungläubigkeit beziehungsweise Unwissenheit. Es gibt eben keine `sehr erfolgreichen` Beispiele in unserer Sparte, die jeder kennt und die einen Vergleich zulassen. Eigentlich bin ich darüber auch recht froh. Ich glaube aber, daß wir uns in unserer Sparte mit unseren Veröffentlichungen eine Nische geschaffen haben, und daß Leute, die Dargaard kennen, sicher auch neue Lieder von uns `wiedererkennen` werden.“

Elisabeth, wer bekommt von den Fans eigentlich mehr Liebesbriefe? Du von den männlichen Fans oder Tharen von den weiblichen Anhängern? Erlaubt ihr euch gegenseitig, diese dann aufzuheben?  

„Wir schließen darüber Wetten ab und sammeln sie dann in einem Album, hohoho!“

Lässig, das sollte Schule machen. Elisabeth, dein kristallklarer lieblicher und doch voluminöser Gesang ist an spiritueller Sensivität schwerlich zu toppen. Wie fühlst du dich, wenn du singst? Ich meine, wahrscheinlich transformierst du dich dann in unirdische Sphären.

„Na, wenn du es mit `Star Trek-Slang` sagen willst (grins). Ich verliere dabei bis zu einem gewissen Grad mein Zeitgefühl und wenn ich mich emotional sehr hineinfallen lasse, gibt es schon auch einmal Gänsehaut und tatsächlich ein spirituelles Gefühl. Allerdings ist für mich der Kompositionsanteil beim Gesang mindestens so wichtig, wie das Singen selbst. Die wechselnde Vielstimmigkeit ist für Dargaard mittlerweile auch etwas stilistisch Typisches geworden.“

Tharen, hast du mittlerweile schon einmal verstärkt an Live-Gigs gedacht? Ich könnte mir die ganz spezielle, festliche und stimmungsgeladene Aura während eines Dargaard-Konzertes ja wirklich sehr gut vorstellen.

„Ich bin ja prinzipiell kein Fan von Auftritten. Ich vergleiche das immer mit einem Buch, das man einmal gelesen hat und anschließend die Verfilmung dazu sieht. Das ist meistens eine Enttäuschung, weil man sich seine ureigenen Vorstellungen dazu gemacht hat. Außerdem hätten wir da ein kleines Problem: wen wir nicht echte Musiker oder eine Horde von Keyboardern engagieren würden, käme das meiste vom DAT, und das Bühnenbild wäre angesichts von drei Sängerinnen, wie wir sie ja schon für das geplante Leipzig Konzert im Sinne hatten, ziemlich `frauengeprägt`. Wir wollen aber nicht diese Art von `erotischer` Komponente in unsere Musik einbringen, wie es so viele andere Bands machen. Das ist nicht unser Stil.“

Verständlich. Elisabeth, bitte erzähle etwas über deine ganz speziellen Leidenschaften. Bestimmt hast du irgendwelche esoterischen Passionen oder Neigungen.  

„Ich züchte vorzugsweise giftige Pflanzen; außerdem habe ich eine für viele Mitmenschen unverständliche Leidenschaft für Stummfilme. Meine besondere Neigung ist es allerdings, zeitweise viel zu analytisch zu denken und damit meine Umwelt zu nerven. Mit der Esoterik habe ich teilweise Schwierigkeiten, weil ich alles verstehen und mir erst einmal beweisen lassen will. Ich glaube zwar, daß sich einige Dinge (noch) nicht nachweisen lassen; trotzdem stehe ich eher auf wissenschaftliches Denken.“

Sieh mal einer an … Tharen, wie wird es nun weitergehen bei dir? Geplantes? „Als nächstes Mal wieder was mit Amestigon, das wird wieder einige Überwindung kosten! Dann das nächste Dominion³-Album oder eine Dargaard-Mini-CD. Damit wäre der Kreis wieder geschlossen.“

Wir sind gespannt. Elisabeth, hat dich das Musizieren mit Dargaard über die Jahre als Mensch entscheidend geprägt oder gar geändert? „Das Musizieren bei Dargaard selbst würde ich nicht unbedingt sagen; abgesehen einmal von meinem Privatleben, da Tharen und ich zu Beginn unserer Zusammenarbeit noch kein Paar waren. Allerdings hat mich das aktive Musizieren, und vor allem das Singen in meiner Persönlichkeit sogar sehr stark verändert, ebenso wie sich durch diese Veränderung wiederum die Stimme entwickelt hat. In erster Linie würde ich sagen, daß ich mich von einem eher verschlossenen zu einem extrovertierten Menschen gewandelt habe.“

© Markus Eck, 27.05.2001

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