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Interview: CREMATORY
Titel: Neues im Altbewährten

Mit den zwei Neuzugängen im Team hat die Baden-Württemberger Gothic Dark Metal-Institution eine gute Wahl getroffen, wie die Songs des neuen Albums „Monument“ beweisen können.

Für den Anfang 2015 ausgeschiedenen Gitarristen und Klar-Sänger Matthias ,Matze‘ Hechler holten sich Crematory gleich zwei Saitenzupfer: Rolf Munkes stieg als Leadgitarrist ein und Tosse Basler sprang als Rhythmusgitarrist und Klar-Vokalist auf. Und dieses hungrige Griffbrettdoppel brachte sich entscheidend ins neue Material ein.

So präsentiert der aktuelle Nachfolger zur 2014 erschienenen Liederkollektion „Antiserum“ die außergewöhnlich beständige Band nicht nur hart und energisch wie selten zuvor, sondern auch hochgradig motiviert, ergiebig ambitioniert und wohltuend unverbraucht.

Drummer Markus Jüllich schätzt an den neuen Kompositionen auf „Monument“ vor allem deren Abwechslungsreichtum und die gewohnt eingängigen Ohrwurm-Tonfolgen, wie er als erfahrener Profi mit routiniert gezeigtem Selbstwertgefühl erzählt.

„Gerade die Melodien lassen so einige Songs auf dem neuen Album zum Hit werden“, verkündet er voller Überzeugung im Tonfall.

„Wie bereits schon seit unserem Comeback 2004 arbeiteten wir erneut sehr gut mit Produzent Kristian ,Kohle‘ Kohlmannslehner in dessen Kohlekeller Studio zusammen, der mit mir gemeinsam die Songs produziert und schreibt. Ebenfalls haben wir mit Erik von der Band A Life Divided und dem Musiker, Songwriter und Musikproduzenten Dirk Riegner, primär bekannt von Secret Discovery, noch zwei externe Ideengeber, die uns bei dem neuen Album unterstützt haben. So, wie das Elmar Schmidt von Centhron bei der letzten Platte auch schon gemacht hatte. Wir holen uns gerne von außenstehenden Personen Ideen ein, welche dann die Crematory-Songs zusätzlich frischer erscheinen lassen.“

Das gesamte Songwriting und Ausarbeiten des neuen Materials für „Monument“ nahm fast ein ganzes Jahr in Anspruch, so Markus.

Allerdings gestalteten sich die Beteiligten ihre jeweiligen Arbeitsanteile so entspannt und ungezwungen wie möglich.

„Da wir mit Kohle einen Sonderdeal haben und immer nur so arbeiten wie wir Lust und er Zeit hat, haben wir im März letztes Jahr angefangen und waren im Februar diesen Jahres mit allem fertig. Hätten wir am Stück gearbeitet, dann denke ich mal, wären wir in sechs Wochen mit allem fertig gewesen. So aber haben wir immer ausreichend Abstand und können neue Ideen und Einflüsse im Nachhinein noch in die Songs einbauen, was den kreativen Prozess enorm fördert.“


Nennenswerte Höhen oder Tiefen beim zugrundeliegenden Songwriting kann der Mann keine nennen. Er freut sich sichtlich: „Wir sind ein eingespieltes professionelles Team. Und wir haben mittlerweile fast blindes Verständnis füreinander entwickelt. Kohle und ich sind ein hervorragendes Team und ich freue mich immer wieder aufs Neue mit ihm zusammen zu arbeiten.“


Wie der Schlagzeuger wissen lässt, ist für ihn jeder neue Veröffentlichungstermin von Crematory immer wieder etwas ganz Besonderes. „Aber diesmal bin ich wirklich sehr gespannt wie die beiden neuen Gitarristen bei den Fans ankommen und vor allem der neue cleane Gesang von unserem partiellen Rhythmusgitarristen Tosse, der über eine so große Bandbreite verfügt, dass wir oft so viele Möglichkeiten zum Aussuchen hatten.“

Einige der neuen Songtexte auf „Monument“ erscheinen diesmal eher ungewöhnlich bei Erstkontakt.

Insbesondere der zweite, zynisch angehauchte Track „Haus mit Garten“. Markus:

„Während ich neben meinem Drumming ausschliesslich für die Musik verantwortlich bin, übernimmt unser Sänger Felix stets die ganzen Texte. Er hat diesmal Unterstützung von einem Freund bekommen, der hervorragende Gedichte schreibt. Und das hat einige neuartige und frische, lyrische Facetten mit eingebracht, die wirklich prima zu den neuen Stücken beziehungsweise ihren jeweiligen Stimmungen passen.“

Die Keyboard-Passagen auf der neuen Scheibe setzen kontinuierlich markant prägende Akzente, die nachhaltig im Ohr bleiben. Katrin, Markus‘ Ehefrau, gibt mit ihrem Spiel diesmal viel mehr an Gefühl preis, oder? Der wuchtige Stockschwinger zieht die Augenbrauen ruckartig hoch:

„Meiner Meinung nach sind die Keyboards diesmal lediglich etwas anders arrangiert, da wir ja jetzt mit zwei Gitarren arbeiten. So musste immer jeweilig individuell entschieden werden, welches Instrument gefeatured wird und welches eher begleitend wirken soll. Ich finde die Keys wie immer geil.“

Tief und interessant ausgefeilt wurden diesmal auch die gesanglichen Facetten, wie beispielsweise das Stück „Nothing“ aufzeigt. Es hört sich teils an, als wäre feiner Frauengesang in die geschickt übereinander gelegten Vokal-Linien eingebettet worden. Überraschung:

„Die hohen Stimmen vokalisiert tatsächlich auch unser neuerdings klar singender Tosse. Er hat eben eine unglaubliche Palette auf dem Programm und kann sich von grunzend tief bis himmelhoch jauchzend bewegen. Einfach ein genialer Nachfolger für Matze!“

Letztlich ist der Gesamtsound auf „Monument“ einerseits sehr homogen, strotzt dennoch aber auch vor Ecken und Kanten.

Ein ziemlich spannendes Hörerlebnis vom Anfang bis zum Ende des neuen Drehers.

Dass Crematory dieses spezielle Resultat zusammen mit ihrem vertrautem Band-Insider Kohle so ausgewogen hinbekommen haben, ist laut Markus vor allem dem relevanten Thema Kooperation geschuldet.

„Wir haben an allem gemeinsam gearbeitet und so konnte sich das Ganze völlig natürlich und reibungslos entwickeln. Kohle und ich sind eben auch auf dem Klangsektor ein absolut hervorragendes Team. Ich könnte mir keinen besseren Produzenten für Crematory vorstellen. Denn zwischen uns herrscht mittlerweile vollkommenes Vertrauen und lückenloses Verständnis in einem.“

Crematory werden mit „Monument“ live auftreten. Es sind von Frühling bis Herbst allerdings nur gezielt gebuchte Gigs angesetzt.

Dazu befragt, ob die Band nicht mehr Konzerte spielen möchte, stellt Markus klar:

„Touren werden wir nicht mehr! Wir werden von Mai bis November circa 20 streng ausgewählte Shows spielen. Denn für mehr ist leider keine Zeit mehr wegen Kindern und Familien sowie den normalen Jobs die wir ausüben. Aber sicherlich würden wir gerne mehr machen, denn wir lieben die Bühne und die Partys mit unseren Fans. Weniger ist oft mehr und dieses Prinzip greift hier!“


Ganze 25 Jahre Crematory, von Anfang der 1990er bis heute … mit welchem individuellen Spezialprogramm à la Jüllich steckt der Kesselpeiniger und Familienvater die Anstrengungen bei Live-Auftritten heutzutage am besten weg?

„Mit der Freude auf ein tolles Konzert! Deshalb tue ich mir das noch alles an. Denn ich liebe es auf der Bühne zu sein und geile Konzerte zu spielen. Genauso wie die Herausforderung, alle paar Jahre ein neues Album zu machen. Meine Kreativität ist noch lange nicht erschöpft. Und ich werde Crematory so lange am Leben erhalten bis keiner mehr auf unsere Konzerte kommt und keiner mehr unsere CDs kauft. Crematory ist sozusagen einfach mein Baby, das noch weiter wachsen und sich entwickeln möchte.“

Wenn es für ihn allerdings so richtig anstrengend wird, dann leidet er schon auch mal unter schweren Beinen, Rückenschmerzen und Ohrensausen, bekennt Markus. „Wenn das eintritt, dann weiß ich aber, dass ich ein begeisterndes Konzert gespielt habe. Und dann genieße ich es hochgradig, dermaßen ausgepowert zu sein!“

Vor einem Crematory-Gig bringt sich der Vollblutmusikus und Fußballfan körperlich mit ordentlich Warmmachen in Form. „So wie das auch Profisportler machen, denn die alten Knochen müssen gut angewärmt sein um Höchstleistung zu bringen. Mental machen das dann die Fans, wenn ich auf der Bühne bin. Die allermeiste Freude macht es mir auf der Bühne, wenn ich fehlerfrei spiele und die Fans voll abgehen.“

Schlagzeuger ist er geworden und nicht beispielsweise Gitarrist, weil er beim Spielen unbedingt sitzen will, scherzt er zunächst ausgelassen, um dann ernsthaft Einblick zu gewähren:

„Ich wollte schon im Alter von fünf Jahren immer nur auf Töpfen herumhauen und trommeln. Was dazu führte, dass ich mit zehn Jahren dann endlich mein erstes Schlagzeug bekam und somit meine Karriere startete.“

Wer bereits so lange trommelt wie er, der übt nicht mehr viel. Sein Trainings-Pensum pro Woche an den Sticks reduziert sich auf einmal pro Woche. „Das geschieht dann immer mit der ganzen Band und das reicht auch dicke aus, wenn man über so viel Erfahrung verfügt wie ich.“

Dass er mit seiner Ehefrau Katrin schon so lange zusammen in einer Band wie Crematory ist, hat absoluten Seltenheitswert im Metal. Das Geheimnis für diese anhaltend produktive und so gut funktionierende Kooperation ist immer ein Geben und ein Nehmen, offenbart Markus dazu. „Wenn man vernünftig und ehrenhaft miteinander umgeht, dann funktioniert auch so etwas langfristig.“

Hauptberuflich ist der Drummer als Versicherungsmakler sehr erfolgreich. Dazu nimmt er seine Pflichten als Ehemann und Familienvater ernst. Und er hat zudem selbst nach all den Jahren noch Riesenfreude an der eigenen Musik. All das schafft Markus laut eigener Aussage souverän mit seinem gutem Zeitmanagement:

„Ich plane zwischen den Jahren immer ein ganzes Jahr im voraus, wann was wo und wie stattfinden soll. Und somit habe ich immer einen Plan, der auch meistens so umgesetzt wird.“

Da Markus in seinem Versicherungs-Business mittlerweile so was wie ein 'alter Hase' ist, konnte er sicherlich davon auch für das Musikgeschäft beziehungsweise für die Belange von Crematory profitieren.

Welche einschlägigen, rechtlichen Kenntnisse haben ihn und die Band damit am meisten bislang vor Enttäuschungen, Abzocke, Untervorteilung etc. bewahren können?


„Das Versicherungsgeschäft ist gar nicht so anders als das Musikgeschäft und ich konnte schon oft aus Erfahrungen von dem Anderen profitieren und umgekehrt. Verkaufen ist verkaufen und verhandeln ist verhandeln ob mit Versicherungen oder Musikprodukten und Bands das ist ganz egal.“

Und was macht ein Mann wie Markus Jüllich neben Crematory, Family und Job am liebsten? „Meinen beiden Töchtern beim Fussballspielen zusehen, denn beide spielen sehr erfolgreich Fussball und werden wahrscheinlich sehenswerte sportliche Karrieren hinlegen und ich werde der Manager!“

© Markus Eck, 26.03.2016

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