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Interview: CRAVING
Titel: Bewusstsein für Ausdrucksstärke

Dem populären Subgenre Viking Metal haben sich diese Kerle aus dem Oldenburger Raum verschrieben. Angeführt werden sie dabei von Gründungsmitglied, Gitarrist und Sänger Ivan Chertov.

Viel passiert ist inzwischen bei Craving seit damals, und es war beileibe nicht immer leicht, die kreative Fahne weiterhin hoch zu halten. Doch aufgeben war für den russischstämmigen Chertov niemals drin. Somit präsentiert sich der Metal-süchtige Musikerhaufen noch immer gleichfalls ambitioniert als auch visionär und vor allem zielstrebig.

„Wir haben uns 2005 in einer Garage bei Oldenburg zusammengefunden, damals zu viert. Ich bin erst im August dazu gekommen. Johannes Paetzholt, Lukas Winkler und Lutz Pohlabeln haben zusammen schon ein bisschen was gemacht in Sachen Songwriting und hatten somit ein fertiges Stück auf der Hand. Im Februar 2006 haben wir in dieser Viererbesetzung bestehend aus Johannes Paetholt – Bass und Gesang, Lukas Winkler – Gitarre, Lutz Pohlabeln – Schlagzeug und mir an der Gitarre und den Vocals ein 9-Track-Demo im Proberaum geschmiedet. So richtig veröffentlicht wurde diese nicht, wir haben damals 100 Stück anfertigen lassen und haben die CD selbst unters Volk gebracht“, berichtet mir Ivan zu Beginn.

Früher war ihre Musik noch eher eine Mixtur aus vielen verschiedenen Metal-Stilistiken, von Thrash, über Black- und Death Metal bis noch härter, so der Gitarrist und Sänger; wobei der Black- und Death Metal-Anteil laut seiner Aussage deutlich dominierte:

„2006 wurde die Band von unserem Sänger Johannes Paetzholt verlassen und ich übernahm die Rolle des Vokalisten, da wir leider nicht so schnell einen würdigen Ersatz finden konnten. Ebenfalls 2006 kam dann noch Christian Lengert am Bass dazu. Anfang 2007 kam es zum Schlagzeugerwechsel, Lutz Pohlabeln verließ die Band aus Motivationsgründen und wurde zum Glück relativ fix von Maik Schaffstäder an den Trommeln ersetzt. Im November 2007 wurde die aktuelle EP "Revenge" aufgenommen. Bis 2008 hat sich leider die halbe Band verabschiedet, was zu einer mehr als neunmonatigen Zwangspause führte. Am 21.11.2008 veröffentlichten wir besagte EP und präsentierten damit simultan unser neues Line-Up. Am Bass kam Eugen Deutsch (ex-Burial Vault) und an der Gitarre Thorsten Flecken(ex-Preacher, ex-Contempt (DK)) dazu. Zwei erfahrene Metal-Musikanten. 2009 haben wir dann ordentlich losgerockt“, gibt Ivan noch grinsend zu Protokoll.

In der Vergangenheit ging dies oder das an Kommunikation bei ihnen schon mal flöten, so Ivan in aller Offenherzigkeit. Er resümiert diesbezüglich:

„Damals waren wir allesamt Schüler und haben nicht so recht gewusst was die Zukunft für uns bereithält. Es war auch schwer, gemeinsame Ziele zu planen und zu realisieren. Im Vergleich zum früherem Line-Up kommen wir jetzt viel besser miteinander aus und es ist jedem bewusst, was wir mit dieser Band machen möchten. Momentan wohnen wir alle außerhalb: Thorsten kommt aus Bremen, ich wohne mittlerweile in Emden und Maik kommt aus Wardenburg. Einzig und allein unser Bassist Eugen kommt noch aus Oldenburg. Das hält uns jedoch nicht davon ab regelmäßig in unserem "Büro" zu proben. Ja, wir proben in alten Büroräumen eines ehemaligen Fruchthandels, wie sehr Metal kann es denn noch sein?“

Da Ivan das einzige verbliebene Gründungsmitglied in der Band ist, kann er mir sagen, dass sich Craving ein ganzes Stück nach vorne entwickelt haben. „Wenn man die Stücke von der "Revenge"-EP mit denen des Demos vergleicht, merkt man einen wesentlichen Unterschied. Die Musik ist besser durchdacht und ein Stück weit besser produziert als auf dem Demo. Zumal angemerkt, haben wir auf der EP nicht mehr so heftig mit Metal-Genres rumhantiert, um mehr die Aussage der Musik auf den Punkt zu bringen. Wir gingen diesmal melodischer zur Sache, solche brutalen Nummern wie "Manhunters" oder "Demons End" sind diesmal nicht mehr vorhanden.“

In den vergangenen Jahren haben die Jungs laut Aussage von Ivan einiges an Konzerten hingelegt: „Wir waren schon in den verschiedensten Städten Deutschlands. In all den Jahren hat es uns nach Thüringen, Berlin, Hamburg, Oldenburg, Emden und so weiter verschlagen. Natürlich haben wir ebenfalls mit einigen Bands die Bühne geteilt, deren komplette Aufzählung wäre jetzt aber zu aufwändig. Wer sich dafür jedoch interessiert: Checkt unsere Website oder unser Myspace-Profil, dort sind die kompletten Auftritte und Bands aufgezählt. Mit Bands wie Obscurity, Asenblut, Spiritual Disease, Nachblut, Varg, Wandar usw. haben wir jedenfalls bereits die Bühne geteilt. Wir sind ohnehin eine sehr konzertfreudige Band und treten sehr gerne live auf! Ich finde, Konzerte zu geben ist eine der genialsten Erfahrungen die ein Musiker beziehungsweise eine Band überhaupt machen kann. Ich finde es ebenfalls wichtig, Konzerte zu spielen, denn das macht Laune und vermittelt, bitte nicht erschrecken, Freude!“

Anfangs haben sie versucht, Musik zusammen im Team zu schreiben, so Ivan: „Auf der Demo 2006 haben wir mehr als die Hälfte im Proberaum zusammen komponiert. Allerdings kam es so oft zu Besetzungswechseln und da ich eigentlich so um die 90 % aller Ideen in der Band hatte, nahm ich das in die Hand. Die EP stammt zu 90 % aus meiner Feder. Am Song "Voices In The Fog" hat damals unser Bassist Christian Lengert mitgeschrieben, die Idee kam von ihm.“

Craving haben nun laut Ivan die kompletten Songs für ihr Debütalbum fertig. „Wir gehen hoffentlich 2010 ins Studio um diese Stücke dann auch auf CD zu bannen. Wer das Ganze dann letztlich veröffentlicht, das steht noch in den Sternen – wir verhandeln aber gerade mit ein paar kleinen aber feinen Labels. Wer Interesse hat uns ein Angebot zu machen kann uns gerne eine Mail zusenden, wir sind für fast alles offen. Die Namen der Songs sowohl der Albumtitel stehen aber bislang noch nicht fest.“

Auf ihrer Demo 2006 haben die Beteiligten eine zusammenhängende Konzeptgeschichte „verfasst“, wie Ivan zu berichten weiß: „Diese wurde aber nicht explizit weitergeführt. Wir haben aber ein paar Songs auf dem Demo lyrisch verknüpft. Lediglich der Song "Revenge" von der "Revenge"-EP bezieht sich noch indirekt auf die Story. Es ging um einen Dämon, der nur durch die Berührung in Menschen eindringen konnte und somit Kontrolle über ganze Legionen übernehmen konnte.“

Der Song „V Les!“ von der letzten „Pagan Battle Tunes“-Kompilation des Trollhorn Magazins ist komplett auf Russisch geschrieben – der Gitarrist und Sänger hierzu: „Gut erkannt! Ja der Song ist komplett auf Russisch. Ich kann dir sagen, dass die größte Inspiration für den Text der russische Dichter Nikolai Stepanowitsch Gumiljow war, der zwischen Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts lebte und der von der russischen Regierung 1921 hingerichtet wurde. Seine Gedichte sind mir sehr ans Herz gewachsen. Der Text, den ich zu "V Les" verfasst habe ist ebenfalls in einem schwierigen Abschnitt meines Lebens entstanden und hat für mich daher eine große Bedeutung. Es geht um eine Lichtung im Wald auf der sich eine Schlacht zwischen Gut und Böse ereignet. "V Les" bedeutet übersetzt so viel wie "In den Wald!"“

Ob es wohl in der Zukunft von Craving weitere fremdsprachige Texte geben wird, wollte ich wissen. Wir erfahren: „Ich für meinen Teil komme ursprünglich aus Russland und für mich ist es daher viel einfacher, meine Gedanken auf Russisch in Worte zu fassen und vor allem meine Gefühle auszudrücken, was für den Gesang ja enorm wichtig ist. Ich könnte es mir somit durchaus vorstellen, noch mehr Texte in russischer Sprache zu verfassen. Es wird von Craving auch Songs in deutscher Sprache geben. Ich kann euch schon sagen, dass auf dem kommenden Album mindestens ein Song auf Russisch und ein Song auf Deutsch vorhanden sein werden. Deutsch ist eine schöne Sprache und ebenfalls gut geeignet für unsere Musik, sie klingt schön fies – viel fieser als Englisch – und ist schön ausdrucksstark. Wir sind sowieso eine ziemlich multikulturelle Band: Ich komme aus Russland, Eugen kommt aus Weisrussland und Thorsten hat seine Wurzeln in Dänemark. Wir könnten uns auch gut vorstellen Texte auf Dänisch zu machen, so lange ich diese richtig aussprechen kann“, entfährt es ihm unter herzlichem Lachen.

Ivan, waren russischsprachige Bands wie beispielsweise Arkona, Alkonost etc. eine Inspiration dafür, auf Russisch zu singen? „Nein, Arkona habe sehr spät kennen gelernt, erst zu den "Ot Serdza K Nebu"-Zeiten und Alkonost ist eine großartige Band – allerdings ebenfalls spät von mir entdeckt (und geliebt). Wie gesagt, ich kann mich in meiner Muttersprache eben einfach viel besser ausdrücken als in Deutsch oder Englisch.“

Ich fragte Ivan anschließend, ob die selbst kreierte Musik für ihn persönlich eine Art Schmerzkatalysator beziehungsweise eine Art partielle Weltflucht ist. „Es ist toll, sich mit Musik auszudrücken zu können und das fühlt sich unglaublich gut an. Es wird bei uns daher nicht zwanghaft komponiert und so kann es bei Craving in der Tat durchaus vorkommen, dass man sich in den Stücken verliert und somit von der Welt für ein paar Minuten flüchtet.“

Wir widmeten unser weiteres Gespräch den Plänen der Band für das nächste Jahr, und Ivan verkündet: „2010 werden wir wie gesagt hoffentlich endlich unser Debüt auf die Menschheit loslassen, die Hörer werden zehn brachiale, epische und durchaus abwechslungsreiche Stücke erwarten! Wir hoffen, in Kürze einen Platten-Deal über den Tisch zu kriegen und hoffentlich werden wir 2010 dann ebenfalls zahlreiche Konzerte spielen! Genauere Daten dafür kann man wie immer unserer Myspace- Page entnehmen. Wir hoffen, uns ebenfalls auf kleineren Metal Open Air’s sehen zu lassen. Vielleicht wird sich ja noch eine kleinere Minitour durch Deutschland ergeben, wer weiß? Hoffen wir, dass es alles gut läuft im Jahre 2010 für Craving.“

Dazu drücke ich der jungen Band die Daumen. Die letzten Worte gehören Ivan! „Vielen Dank an dich für das Interview! Vielen Dank auch an Kai von Trollzorn. Und Danke an all die tollen Bands, mit denen wir in all den Jahren bislang die Bühnen geteilt haben und hoffentlich noch teilen werden – Prost! Wir danken an dieser Stelle noch unseren Familien, Freunden und Fans für die ganze Unterstützung! Bleibt euch treu und geht euren Weg, und lasst euch von niemandem davon abbringen! Hails!“

© Markus Eck, 11.11.2009

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