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Interview: CALLISTO
Titel: Leitmotiv Individualismus

Vor einigen Jahren damals noch in avantgardistisch orientierten Hardcore-Kreisen musikalisch unterwegs, haben sich diese Finnen mit der Zeit starkmelancholischem Dark Metal gewidmet.

Ein musikalischer Umstand, von dem das neue Studioalbum „Providence“ nun eindrucksvoll kündet. Dabei betont emotional, zuweilen gar von unweigerlich besänftigender Anmut, spielt sich die eigenwillige und -ständige Schwerenöterband aus Turku diesmal in hypnotische Regionen vor, wie sie entrückter und träumerischer nicht sein könnten.

Irgendwo also in der stilistischen Kreuzungsmitte zwischen dem Schaffen von Querdenkern wie beispielsweise Neurosis, Opeth und King Crimson biegen Callisto auf dieser bezaubernd verstörenden neuen Platte trotzdem künstlerisch sehr eigenständig ab.

Ungewöhnlichkeit pur auch im Gespräch; Bassist Juho Niemelä outet sich nämlich erstmal als passionierter Michtrinker.

„Ich weiß, das ist nicht typisch finnisch. Aber nicht nur ich, sondern sehr viele Landsleute bei uns hier trinken den ganzen Tag über Milch. Ich liebe ihren Geschmack einfach.“

Apropos, auch in Sachen musikalische Geschmacksfragen überrascht der Tieftöner mit der Nennung von unterschiedlichsten Acts beziehungsweise Stilen.

„Gegenwärtig höre ich sehr gerne die Alben von Mastodon: `Crack The Skye`, von Sufjan Stevens `Michigan`, von den Von Hertzen Brothers: `Love Remains The Same` und von Zu ihre Scheibe `Carboniferous`.“

Was nun die eigene neue Veröffentlichung angeht, darüber plaudert der Finne anschließend in aller Lässigkeit, mir dabei absolute Entspanntheit signalisierend.

„Vor beziehungsweise während dem Kompositionsprozess zu einer neuen Platte denken wir niemals über irgendwelche Erwartungshaltungen nach, sei es nun über die der Fans oder über unsere eigenen. Wir lassen da viel lieber ganz einfach die Musik aus herausströmen; soll heißen, wann auch immer wir das Bedürfnis zu komponieren verspüren, lassen wir unseren Eingebungen freien Lauf. Erst nachfolgend beobachten wir die entstandenen Resultate, also genauer gesagt, erst nachdem eine Platte veröffentlicht wurde, befassen wir uns einigermaßen mit den Reaktionen von Hörern und Musikmedien. Natürlich verlängert das den Entstehungsprozess zu einem Werk immer wieder nicht wenig, aber wir bemühen uns beim Erarbeiten unserer Songs eben so authentisch und natürlich wie nur möglich vorzugehen.“

Und auch im aktuellen Falle hat sich das laut Statement des Viersaitenzupfers erneut vollauf für seine Band ausgezahlt. „Wir sind gleichermaßen glücklich darüber, wie wir gewissermaßen als Gruppe von Künstlern wiedergeboren wurden als auch darüber, unserem Stil nun auch klare Vokalisierungen hinzugefügt zu haben. Ich bin mir ganz sicher, wir hätten uns nicht weiter nach vorne entwickeln können. Wir haben das Maximum dazu getan. Letztlich zählt für uns am Ende ja nur das Gefühl, welches wir jeweilig nach der Fertigstellung einer Callisto-Veröffentlichung haben, und das fühlt sich noch immer sehr positiv an. Wir fühlen uns also sehr wohl mit dem, was wir tun.“

© Markus Eck, 29.03.2009

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