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Interview: BLUES PILLS
Titel: In aller Natürlichkeit

Dass diese seelenvolle Kapelle ein prickelnd-faszinierendes Phänomen ist, liegt nicht nur an der sagenhaft röhrenden Ausnahmestimme von Sängerin Elin Larsson. Blues Pills, mit großartig talentierten Musikern aus Schweden, Frankreich und den USA, sind ohnehin eine ganz eigene Klasse für sich.

Bereits das 2014 veröffentlichte, gleichnamige Debütalbum des Quartetts ließ eine riesige Anzahl an alten und jungen Blues Rock-Fans glatt durch die Decke gehen vor Begeisterung.

Kürzlich wurden die Arbeiten am neuen und zweiten Langspieler „Lady In Gold“ abgeschlossen. Um internationalen Musikjournalisten die zehn taufrischen Kompositionen vorzustellen, lud das Label der Band für Samstag, den 16. April zur Listening-Session und Interviews ins schwäbische Donzdorf ein. Offizieller Veröffentlichungstermin der Scheibe ist der 29. Juli.

Anwesend waren circa 30 Angehörige der schreibenden Zunft. Die ersten fanden sich bereits eine Stunde vor Beginn ein, was durch allerlei Fachsimpeleien eine gute und lockere Stimmung in die Räumlichkeiten brachte.

Als allesamt gegen 15:30 ihre Plätze eingenommen hatten, wurde es schlagartig sehr ruhig.

Der Promoter wünschte noch gut gelaunt viel Hörfreude, dann ließ man die besten musikalischen Blues Rock-Momente der 60er und 70er Jahre feierlich aufleben.

So erschallte der Opener und Titelsong und konnte schlagartig für positive Hochspannung sorgen.

Die attraktive Elin und der aus Frankreich stammende Gitarrist Dorian Sorriaux hatten sich ebenfalls zur Meute der Tastentipper gesetzt und verfolgten sehr aufmerksam die Reaktionen der Zuhörer.

Enttäuscht wurde an dem Tag sicherlich niemand. Denn diese neuen Nummern sind den Urhebern wahrlich optimal geglückt.

Bereits das viereinhalbminütige „Lady In Gold“ glänzt durch famoses kompositorisches Feingespür, souveräne Instrumentierung und scharfe gesangliche Raffinesse.

Das Stück birgt überraschend viel an Volumen und der pumpend einprägsame Refrain könnte klassischer und griffiger nicht angelegt sein. Die Marschroute des neuen Albums wird davon ganz wunderbar vorgegeben.

Den Anschluss machte das markant rhythmisierte „Little Boy Preacher“, worin die vielfach fähige Meisterin Elin mit ihrer reizenden Vokalisierung schier die Membranen der Lautsprecher zu zerschneiden drohte.

Den bluesigsten Song markierte bis dato „Burned Out“, worin auch entrückt sphärisch georgelt wird, was im tief erstaunten Autoren nach kurzer Zeit für einen stimmungsvollen Höhenflug sorgen konnte. Nahtlos schloss sich „I Felt A Change“ an: Der balladeske Beginn mit Pianountermalung legt ein starkes emotionales Fundament, doch auch vom Song an sich kann man einfach nicht unberührt bleiben. Elin jongliert vor allem darin bemerkenswert gekonnt mit vielschichtigen Phrasierungen, was wonnige Momente der Ergriffenheit auszulösen imstande ist.

Im Weiteren konnten Blues Pills mit den Liedern „Gone So Long“, „Bad Talkers“ und „You Gotta Try“ lückenlos überzeugen. Flüssiges Zusammenspiel und prächtig inszenierte Arrangements zeichneten auch das nicht minder zeitlos gewordene „Won't Go Back“ aus, worin die Gruppe nicht nur im heftig ins Bewusstsein klatschenden Refrain einmal mehr mit allem Nachdruck nach vorne ging.

Das ansteckende Bassspiel des Amerikaners Zack Anderson geht während der ganzen Platte direkt in die Nackenmuskeln, wovon auch die Stücke „Rejection“ und das abschließende „Elements And Things“ mannigfaltig profitieren.

Anschließend an die außerordentlich genussvolle Hörprobe begaben sich alle an bereitgestellte Snacks, während die ersten Interviews begannen.

„Ich fühle mich zwar persönlich noch nicht am Ziel des Möglichen, aber ich denke, ich habe meine Stimme seit dem Debütalbum ganz gut weiterentwickeln können“, offenbart die hübsche Elin in aller Bescheidenheit.

Auf die prägnante Intensität ihres Outputs angesprochen, entgegnet sie, fast ein wenig verlegen:

„Das entsteht nicht bewusst. Ich singe ganz einfach genau das, was mir aus der Seele kommt, und dabei kommt alles völlig von selbst so, wie es ist.“

Wie sie berichtet, empfindet sie die neuen Lieder als noch spielfreudiger als das vorherige Material. „Es hat sich fast so angefühlt, als würde ich die Songs von ihren Ketten befreien, als ich meine Gesänge dafür erarbeitet und ausgefeilt habe. Doch auch insgesamt fühlt sich das Ganze auf ,Lady In Gold‘ für mich noch freier und natürlich an, als es auf dem Vorgänger sowieso schon ausgeprägt war.“

Das hört man den aktuellen Stücken auch vollauf an, von denen der nicht minder sympathische und erfreulich unprätentiöse Dorian ergänzend meint, sie seien von der Band diesmal vermehrt an gute alte Größen wie beispielsweise Fleetwood Mac angelehnt worden.

© Markus Eck, 19.04.2016

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