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Interview: BESEECH
Titel: Seele und Gefühl im Spiel

Ihr 2000er Geniestreich, das zeitlos schöne Hitalbum „Black Emotions“ öffnete diesen feinfühligen Schweden wichtige Türen, von denen eine die Band kurze Zeit später schließlich in die Räumlichkeiten einer bekannten österreichischen Plattenfirma führte.

Endlich konnten Beseech einem breiteren Auditorium zugänglich gemacht werden. Allerhöchste Zeit schien es dafür, denn der betont emotional dargebotene und mit ergreifend feinfühligen Passagen verzierte Gothic Dark Metal der Schattentruppe um Leadgitarrist Robert Spånglund reifte seit der Bandgründung 1992 mehr und mehr zu einer intensiven Melange aus dem Besten, was das Genre zu bieten hat.

Und Beseech verstehen es dabei noch immer blendend, die Gedanken ihrer Hörer in imaginative Fremdwelten von zauberhaft verschwommener Anmut zu leiten. Ihr neuestes Studiowerk wurde „Sunless Days“ getauft. Treffend, denn genau so klingt die Scheibe auch. Und der silberne Rundling zeigt eine abermalig geruhsam in sich selbst gereifte Gruppe.

Kein Wunder, diese stets düster schwelgenden Skandinavier, nunmehr auch schon wieder seit ganzen 13 Jahren im harten Musikzirkus dabei, haben nichts verlernt.

Das gewohnt vollemotional agierende Septett wandelt konsequent auf seinem künstlerischen Weg weiter in die richtige Richtung, welche mit den beiden Vorgängeralben „Souls Highway“ und „Drama“ bereits mit riesengroßer intuitiver Sicherheit von diesen musikalischen Zielfindern beschritten wurde.

Sechssaiten-Schrubber Robert Vintervind bezieht für mich erneut bereitwillig Stellung zum aktuellen Langspieler seiner abermalig tiefsinnigen und künstlerisch gewohnt anspruchsvollen Melancholiker-Schar.

„Bei uns hier ist der Sommer auch nicht viel besser als bei euch, es regnet und regnet, pausenlos. Ich habe noch dazu das Pech, in der regenreichsten Gegend von ganz Schweden zu wohnen, ziemlich nahe bei Göteborg“, stimmt der Gitarrist Länder-übergreifend in mein gestöhntes Wetter-Lamento mit ein. Da kriegt der neue Plattentitel doch eine ganz spezielle realistische Bedeutung, wie wir uns beide einig sind.

Wie Robert mitteilt, navigierten er und seine Mitstreiter in Sachen Attitüde mit den Jahren in immer ernsthaftere Gefilde. Beseech wurde damit geradezu zu einer Lebenseinstellung. „Vor allem bemerkten wir jedes Jahr in ansteigendem Maße, wie viel wir den Fans als Musiker eigentlich zu geben und mitzuteilen hatten. Das Größte daran ist, dass Beseech mittlerweile noch viel mehr als ein großer Teil unseres Lebens geworden ist.“

In den Anfängen seines Spiels wollte der Schwede noch sehr technisch und vor allem schnell sein, wie er abschließend zurückblickt.

„Ich fing eigentlich ziemlich spät damit an, so ungefähr im Alter zwischen 15 und 16. Doch all das Schnelle langweilte mich ziemlich schnell, denn darin steckt mir persönlich viel zu wenig Seele und Gefühl, wie ich dann gemerkt habe. Bestätigt wurde meine Meinung hierzu definitiv nach meinem Einstieg in Beseech.“

Wie Robert anschließend weiter vorgibt, entwickelte sich die Musik von Beseech jederzeit natürlich und unverkrampft, auch für den aktuellen Output „Sunless Days“.

Die Band ließ die jeweilig gemachten Erfahrungen immer ganz bewusst in den Prozess des nachfolgenden Albums vollständig mit einfließen, so der Griffbrettmann.

Schließlich existiert Beseech ja auch schon ein Weilchen, wie er nicht ohne Stolz in der Stimme verlauten lässt:

„Da wir die Musik über alles lieben, die wir selbst spielen, können wir uns als Band eben immer völlig ungehindert und frei nach vorne weiterentwickeln. Obwohl sich in den Jahren unseres Bestehens so allerhand geändert hat, speziell was unser Line-Up anbelangt, sind wir uns musikalisch selbst sehr treu geblieben, was unsere Liebe zur Musik noch dick unterstreicht. Wir respektieren alle Meinungen über unsere Songs, jede Kritik nehmen wir in konstruktiver Weise als Künstler auf.“

Dieses letztere Statement passt mir geradezu hervorragend ins Interview-Konzept. Und so erkundige ich mich umgehend nach der persönlichen Zufriedenheit meines Gegenübers mit dem neuesten Albumprodukt von Beseech. Der gibt mir unumwunden preis:

„Wir fühlen uns sehr gut mit dem aktuellen Album, auch, was die Produktion angeht. Insgesamt können wir resümierend sagen, dass die neuen Songs auf `Sunless Days` mehr in sich geschlossen auf die Hörer wirken. Solider, könnte man auch sagen. Und das besonders im Gegensatz zu unserem vorhergehenden Album `Drama`, auf dem das leider nicht der Fall war. Wir nehmen unsere Veröffentlichungen seit jeher mit Produzent Christian Silver im Studio Mega im schwedischen Warburg auf – dort haben auch bereits Bands wie Cemetary, Sundown und Lake Of Tears ihre Songs aufgenommen. Die Jungs dort haben eine ganze Ecke Erfahrung, sie haben auch bereits diverse Pop-Acts mit guten Sounds versorgt.“

Wie dazu in Erfahrung zu bringen ist, nahmen sich die einzelnen Bandmitglieder von Beseech immer wieder mal Urlaub, um diesen im Studio mit Reglerdreher Silver und seiner Crew zu verbringen. Die Zeitspanne dieses Unterfangens betrug circa sechs ganze Monate. Mein Gesprächspartner hierzu:

„Die Dauer der Aufnahmen erschien uns ganz schön lange, um ehrlich zu sein. Auch heute noch, mit dem nötigen Abstand dazu. Anders ging es aber leider nicht. Doch diese Prozedere hatte auch natürlich auch gute Seiten für uns, denn so konnten alle Beteiligten dabei wichtige Erfahrungen und Eindrücke für sich sammeln. Zudem konnten die Songs für `Sunless Days` noch besser reifen und gedeihen, da man sich dazwischen immer wieder im Probenraum traf und darüber diskutieren konnte. Andere Bands hassen das wohl, weil Songs dadurch ihrer Auffassung nach in Sachen Authentizität, Impulsivität und Natürlichkeit massive Einbußen erleiden. Wir dagegen lieben es aber, wenn wir ehrlich zu uns selbst sind. Denn unsere Stücke gehen ja ohnehin eher in die träumerische, nachdenkliche und auch besonnene Richtung – da schadet es doch wirklich überhaupt nichts, wenn man, so wie jetzt kürzlich geschehen, in aller Ruhe und mit andauerndem Elan an ihnen herum feilt. Der Klang der neuen Scheibe ist somit auch völlig individuell ausgefallen, wie ich finde. Und genau das ist bei der heutigen Veröffentlichungsflut im Gothic- Rock und Metal ein nicht zu unterschätzendes Thema. Bis jetzt gab uns das aktuelle Feedback der ganzen Journalisten zu unserem Sound der neuen Platte auch Recht.“

Das vorhergehende Album „Drama” war für seine Band laut Auskunft von Robert ein wirklich großes Experiment: „Es enthält eine Menge an interessanter Essenz und bietet eine Vielfalt an ungewohnten Songstrukturen. Im Nachhinein stimme ich jedoch denjenigen Hörern zu, dass `Drama` nicht so leicht zugänglich ist, wie man das von uns gewohnt ist und wie es auch dem aktuellen Werk wieder der Fall ist. Auch wenn `Sunless Days` wieder einige experimentelle Momente hat, geht es doch schneller ins Ohr als der Vorgänger. Mit `Drama` konnten wir dafür die Aufmerksamkeit von Leuten auf uns lenken, die uns sonst keine Beachtung geschenkt hätten. Ich denke, mit dieser Scheibe haben wir in Amerika den größten Erfolg gehabt, die wollen es dort gerne musikalisch immer ein wenig ungewohnt serviert bekommen.“

Der Saitenreißer weiter: „Für `Sunless Days` haben wir endlich mal wieder einen zweiten Gitarristen verpflichtet, nachdem ich für längere Zeit der einzige in Beseech war. Sein Name ist Manne Engström, er spielte zuvor bei Fatal Embrace, Sundown und Cemetary 1213. Bei ihm hatten wir, im Gegensatz zu seinen vorherigen Bewerbern, sofort das Gefühl, dass er spieltechnisch perfekt zu uns passen würde – auch menschlich. Wir haben dieselben Ansichten über viele relevante Dinge und er ist wie wir ebenfalls sehr kreativ. Sein Beitritt in unser Line-Up tat uns insgesamt gut, denn nachfolgend sprudelten Ideen für neue Songs geradezu aus uns heraus. Denn Manne ist in einem gewissen Sinne auch ein Produzent mit einiger Erfahrung auf diesem Gebiet; schließlich ist er Mitbesitzer des Studios, in dem wir `Sunless Days` aufgenommen haben, dem StudioMega im schwedischen Varberg.“

Auf den aktuell zur Schau gestellten Promo-Fotos des beständigen schwedischen Siebeners zeigt sich die sehr attraktive Sängerin Lotta Höglin optisch mal wieder von ihrer besten und fraulich reizvollsten Seite. Mein Lob darüber freut den Boss der Band gar sehr:

„Ja, wir sind auch sehr froh über ihre Mitgliedschaft bei Beseech. Denn sie sieht nicht nur blendend aus, sondern überzeugt auch stimmlich auf ganzer Linie. Dazu arbeitet sie emsig an ihrer ohnehin charismatischen Bühnenpräsenz, was uns die Besucher unserer Konzerte mit stetig steigender Begeisterung spüren lassen. Unsere Lotta entwickelt auf der Bühne immer wieder aufs Neue eine faszinierende Menge an purer künstlerischer Energie und nachhaltig fesselnder Ausstrahlung. So kann es uns nur in jedem Fall nur recht sein, dass sie daneben auch kontinuierlich und beflissen an ihrer optischen Präsenz und ihrem individuellen Kleidungsstil arbeitet.“

© Markus Eck, 07.08.2005

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