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Interview: BELPHEGOR
Titel: Majestätische Morbidität

Unsere bekannte Welt, sie scheint immer noch schrecklicher zu werden. Die Zustände auf dem Planeten muten immer schlimmer, immer beängstigender, immer perverser an. Zuvorderst auf menschlicher Ebene samt all den üblen Auswirkungen.

Und daher ist dieser einst eigentlich so paradiesische Globus längst für nicht wenige Zugehörige der Spezies Homo Sapiens zur bestialischen Hölle geworden.

Den perfekten Soundtrack zu solcherlei fatalen Entwicklungen liefern seit so einigen Jahren diese entschlossenen österreichischen Vorboten der Apokalypse. Noch immer mit übermenschlicher Inbrunst angeführt durch Ketzerkehle und Stahlsaiten-Exekutor Helmuth, opfern Belphegor jetzt ihr brandneues Albumwerk auf dem schändlichen Altar unerträglicher zivilisatorischer Herzenskälte.

Und was kaum möglich schien, wurde wahr: „Blood Magick Necromance“ übertrifft den hochintensiven Vorgänger „Walpurgis Rites – Hexenwahn“ sogar noch, was die Faktoren Monumentalität und Epik anbelangt.

Der schockierend rücksichtlose Sexistenhaufen aus der malerischen Alpenrepublik war seit jeher als absolut kompromisslose und vor allem auf wirklich Schockierendes bedachte Truppe bekannt. Helmuth konstatiert:

„Das wird sich bei uns nicht ändern. Wenn es um brachiale Live-Shows und kompromisslose Musik samt Attitüde geht, kommt man an uns ohnehin nicht vorbei. Und nicht nur das untermauern wir nur noch mehr mit dem neuen Album.“

„Blood Magick Necromance“ ist laut Aussage des für seine Ausschweifungen legendären Frontmanns das „bisher epischste und monumentalste Belphegor-Werk“. Was genau in den neuen Songs hat den Kerl denn zu diesem Statement veranlasst? Er zischt hervor:

„Wer das Liedgut anhört, der wird diese Headline sicher besser verstehen. Ich will hier nichts zerreden, denn dieses neue Album ist ein ganz spezielles für die gesamte Band.“

Hört man die neuen, tatsächlich ultra-epischen und verdammt griffigen Kompositionen des unheiligen Kommandos, staunt man als langjähriger Kenner der Horde tatsächlich darüber, dass die Platte neben riesigen epischen Auftürmungen wirklich nochmals auch eine Steigerung in Sachen Souveränität und Monumentalität darstellt. Wie zum Teufel haben Belphegor das hinbekommen?

„Yeah, da kann ich absolut zustimmen. Der Opener , `In Blood - Devour This Sanctity` reflektiert genau das, für was unser Death Orchestra Anno 2011 steht. Die Chorusmelodie beispielsweise ist von Johannes Brahms (1833-1897), aus Die Ungarischen Tänze #1`. Ich verehre dieses Werk, seitdem ich es 1996 erstmals hören durfte. Seitdem wollte ich es immer irgendwie verwenden, nach fast 14 Jahren habe ich diese Vision verwirklicht. Es ist auch eine Geige im Chorus zu hören, die von Meri `Lou` Tadic gespielt wurde. Zugegeben, die mehrstimmige Vokalfront, die Drums und die Gitarren sägen alles in den Abgrund, aber geschulte Ohren werden die Geige heraushören, davon bin ich fest überzeugt. `Blood Magick Necromance` ist exact wie Belphegor 2011 klingen wollen. Schwer, brachial und majestätisch.“

Wir sprechen anschließend über das voran gegangene Songwriting, welches dem neuen diabolischen Output vorausging.

Helmuth resümiert angeregt:

„Das war der Masterplan: Nicht das schnellste Album zu kreieren, sondern eine quälende und intensive Ritualatmosphäre zu erschaffen. Darum sind die meisten Lieder auch sehr lang. Der Titeltrack beispielsweise ist ein Sieben-Minuten-Epos, der aufwendigste Song und eigentlich der schwierigste den wir jemals komponierten. Über acht Monate lang haben wir akribisch alles bis ins kleinste Detail arrangiert. Chöre, Orchestrierungen, Rezitative, Doom-Parts die im Blastbeat enden, Akustikpassagen sowie völlig abgedrehte Twin-Gitarren, die dabei andauernd jeden Moment umzukippen drohen. Der Song ist Wahnsinn und pure Magie in einem. Abgeschlossen haben wir das Album diesmal mit einer aggressiven Riff-Attacke im Track `Sado Messiah`, nicht wie üblich mit einem langsamen Stück.“

Die neue stürmische Hasswalze in Liederform wurde von Peter Tägtgren als Produzent soundtechnisch perfektioniert. Ich erkundigte mich, ob der Regler-Profi von Band oder Label für seinen Job auserwählt wurde.

„Bullshit-Frage“, peitscht es heftig aus dem Gitarristen hervor, „wir bestimmen immer alles selber, gehen unseren eigenen Weg und treffen unsere absolut eigenen Entscheidungen. In jeder Situation. Da hat niemand Außenstehender ein Mitspracherecht. Wir ziehen unser Ding durch, beinhart und ohne Kompromisse. Wir sind keine Scheiß-Marionetten-Band, die nur mitläuft und bettelt. Bei Belphegor bekommen die Fans Ecken und Kanten. Die Musik ist ein Höllenritt in den Abgrund. Realität.“

Im Studio ging es laut Helmuth wie immer zu.

„Es herrschten intensives Arbeiten und totale Unterwerfung in den Aufnahmeprozess, um das beste Resultat rauszuholen. Das sind wir uns selber und den Hörern, die ihr hart verdientes Geld in die Band investieren, schuldig. Und für das geben wir alles. Peter hat ganze Arbeit geleistet, es war uns eine Ehre ihn als Produzenten zu haben. Er kann auch motivieren, gerade im Vokalbereich hat mir das geholfen und mir einige gute Tipps und Kniffe mitgegeben. Das sind auch meine besten Vokalisierungen bislang auf einem Belphegor-Album, auf die ich zudem sehr stolz bin.“

Und der Kerl hängt seiner Aussage an:

„Wir haben in Skandinavien schon oft getourt, also war dort auch diesmal nichts Neues für uns. Es ist immer cool, dort aufzuschlagen, die verfügen einfach über ein riesiges Potenzial an Musikern und starken Bands. Es ist wirklich alles perfekt gelaufen in Schweden. Ich würde das sofort wiederholen, der Soundwall des neuen Albums ist emotional brillant und passt perfekt zu den acht Soundcollagen.“

Die Jahre ziehen ins Land. Ist mein Gesprächspartner denn auch gegenwärtig noch immer mit allem Biss und aller Leidenschaft am musikalischen Werk?

Die Antwort kommt schneller als der Blitz:

„Das Feuer brennt noch immer, die Inspirationsquelle ist massiv. Es ist mir noch immer eine riesige Leidenschaft, oberbrachiale Musik zu kreieren und in einer entsprechenden Live-Situation zu zelebrieren, alles ist mittlerweile in eine Art anhaltende Besessenheit ausgeartet.“

Sieht man all die Perversionen, Abscheulichkeiten und den ganzen Wahnsinn, der über unzählige mediale Kanäle in die Köpfe der Menschheit getrichtert wird, graust es einem schon sehr. Und Belphegor liefern dazu auch aktuell mal wieder den perfekten Soundtrack, nicht wahr, Helmuth?

„Wir sind keine Scheiß-Hippietruppe und keine Weltverbesserer, das ist und war nie unser Ding. Unsere Verse waren immer direkt, mitten in die Fresse. Musik und Kunst an sich muss aufregen, nicht beruhigen. Daher sind die ganzen gesellschaftlichen und zwischenmenschlichen beziehungsweise globalen Probleme auch nur am Rande mein Problem. Da ich nicht TV schaue und auch kein solches Gerät besitze, bekomme ich nur mit, was ich on the road sehe und nehme auch nur das auf, was mich wirklich interessiert. TV ist eine wirksame Manipulation für die Schafherden, um all diese kleingeistigen Massen unter Kontrolle zu halten. Eigentlich ein legaler und bewusst eingesetzter Virus, der sich in den Hirnen festfrisst.“

Höchste Zeit, um auch noch über Erfreuliches zu fabulieren.

Der Belphegor-Mainman offenbart: „Ich freue mich derzeit wirklich auf eine ganze Menge, am meisten natürlich auf den Release von `Blood Magick Necromance`, das wird sicher ein absolutes Highlight für mich. Ich meine, man investiert soviel Freizeit und Arbeit in ein Projekt, man verzichtet auf sehr viel und man unterwirft sich total, und wenn man dann das fertige Album in den eigenen Händen hält, dann weiß man ganz genau, warum man sich das alles antut. Auch sehe ich den folgenden Welttourneen von uns freudig erregt entgegen, sowie den Sommer-Open Airs etc. Ich denke, 2011 wird ein monumentales Jahr für Belphegor. Man sieht sich on the road. Hail Metal! Hail Death!“

© Markus Eck, 17.12.2010

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