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Interview: BEHEMOTH
Titel: Unerschütterlich

„Eigentlich sehe ich mich selbst gar nicht mal so sehr als Spitzenmusiker“, lässt Bassist Tomasz Wróblewski alias Orion im frühmorgendlichen Zwiegespräch verlauten.

Eigentlich ein kleines Statement, das jedoch zu Beginn gleich mal riesengroße Sympathie für die ehrliche Attitüde des 30-jährigen Hochambitionierten auszulösen imstande ist.

Und ja, eigentlich hätte das Interview zur brandneuen DVD-Veröffentlichung der hochgradig respektierten polnischen Elite Black Death Metal-Eminenzen mit Bandboss, Sänger und Gitarrist Adam Michał „Nergal“ Darski geführt werden sollen.

Doch dieser erkrankte tragischerweise vor einiger Zeit schwer an Leukämie und kämpft derzeit, wie auch von ihm zu erwarten, mutig dagegen an. Dieser für die Fans anhaltend schockierende Umstand würfelt nicht nur die Live- Geschicke der langjährig aktiven Ausnahmekönner aus Gdansk gehörig durcheinander.

Sehr gut sortiert zeigt sich dagegen Saitenreißer Orion im aktuellen Dialog zu „Evangelia Heretika“, so der programmatische Titel zum neuen Manifest.

„Gegenwärtig befindet sich Nergal im Hospital, wo er sich einer Chemotherapie unterziehen muss. Es geht ihm im Moment den Umständen entsprechend, wobei er auf geistiger Ebene als ausgesprochene Kämpfernatur tapfer versucht, so stark als möglich damit umzugehen. Natürlich durchlebt er momentan im Zuge dessen bessere und schlechtere Befindlichkeiten, was bei einer Krankenbehandlung dieser Art typisch ist. Wenn es ihm möglich ist, gibt er der Presse auch Interviews, aber natürlich muss er sich auch so gut es geht schonen. Nergal steht glücklicherweise in sehr engem Kontakt mit seiner Familie, und auch wir als Bandkollegen sind für ihn voll und ganz da. Allesamt drücken wir ihm die Daumen für eine möglichst baldige Heilung“, konkretisiert der Tieftöner mit kratziger Stimme eingangs den derzeitig so bedrückenden Status Quo.

„Evangelia Heretika“ stellt nach der 2004er Veröffentlichung „Crush.Fukk.Create: Requiem For Generation Armageddon“ bereits den zweiten umfangreichen DVD-Release der bereits 1991 gegründeten Polentruppe dar.

Orion geht hierzu gerne in die Tiefe:

„Die Idee dazu hatten wir schon seit längerer Zeit in den Köpfen und die Arbeiten daran waren auch schon partiell begonnen – doch nach dem Labelwechsel vor einiger Zeit und den damit verbundenen Geschehnissen mussten wir das Ganze leider erstmal verschieben. Nachdem sich aber nach der Veröffentlichung unseres 2009er Studioalbums `Evangelion` wieder die Möglichkeiten dazu eröffneten, gingen wir die Sache erneut an. Da wir unseren Anhängern stets eine musikalische wie optische qualitative Wertigkeit bieten wollen, war für die aktuelle Doppel-DVD samt Bonus-Audio-CD natürlich eine Unmenge an entsprechendem Aufwand vonnöten.“

Enthalten sind auf „Evangelia Heretika“, so der Bassist im Anschluss, primär zwei aufgezeichnete Live-Attacken von Behemoth.

Und zwar ein Auftritt im heimatlichen Warschau, der im September 2009 stattfand sowie ein Gig, den die fingerfertigen Rhythmuskanoniere 2008 in Frankreich absolvierten.

„Die Pariser Show von 2008 haben wir mit drauf genommen, weil sie für die ganze Band symbolisch war: Denn mit diesem Konzert beendeten wir sozusagen eine alte stilistische und auch inhaltliche künstlerische Ära für Behemoth. Wir wollten nämlich künftig neue kreative Wege beschreiten, und kurz darauf gingen wir auch schon das sehr spezielle Songwriting für `Evangelion` an. Es war eine unserer letzten Bühnenpräsenzen der damaligen Tour zum Album `The Apostasy`, zudem machte der Laden einige Tage später nach unserem Konzert dicht. Somit kann besagter Auftritt, der uns im Nachhinein als sehr wichtig erscheint, auf jeden Fall als sehr symbolträchtig bezeichnet werden.“

Die im letzten Jahr in Warschau aufgezeichnete Show hingegen war für die bekanntlich extrem motivierten Musiker die zweite, mit der das neue Material von `Evangelion` dem Auditorium live in die Ohren gedonnert wurde, so Orion rückblickend.

„Wir waren vergleichsweise unvorbereitet darauf, wie die Fans die neuen Songs aufnehmen würden. Dementsprechend neugierig und nervös waren wir an diesem Abend. Ebenso neuartig wie die Kompositionen selbst gestalteten wir nämlich auch unsere visuelle Präsenz auf den Brettern sowie das gesamte Stage-acting an sich. Nicht zuletzt daher befanden wir diesen sehr speziellen Live-Mitschnitt als probaten Gegensatz zur 2008er Frankreich-Show, denn die beiden Auftritte sind doch recht unterschiedlich anzuhören beziehungsweise zu sehen. Somit können sich die Käufer von `Evangelia Heretika` einen sehr repräsentativen Überblick darüber verschaffen, wie wir uns innerhalb der letzten Jahre musikalisch nach vorne entwickelt haben.“

© Markus Eck, 07.10.2010

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