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Interview: BEHEMOTH
Titel: Beständige Selbstfindung

So, da sind sie also wieder. Erstaunlich ist es anzuhören, wie fleißig sie waren. Hinter ihnen liegen nämlich gerade mal wieder viele aufreibende Monate an wiederum nicht immer reibungsloser Hochleistungsarbeit – um den vielen Fans den aufreibenden Hochgenuss der wahnsinnsmusikalisch konzipierten neuen Behemoth-Albumtat „Evangelion“ überhaupt erst zu ermöglichen.

Und schien bereits das gewaltige 2007er Death Metal-Spektakel „The Apostasy“ in Sachen ausgefeilte Spieltechniken und kompositorische Raffinessen überhaupt nicht mehr zu überbieten, so belehren die hieran Beteiligten die nach immer mehr Extremen schreiende Welt im aktuellen Falle eines Besseren.

Viele der treuen Hörer werden dabei mit immensen Freuden registrieren, dass die passionierten polnischen Okkultmystiker um Gitarrenhexenmeister Nergal sowohl das inhaltliche als auch das optische Niveau ihrer oberbrachialen Hammermucke erneut angehoben haben. Denn diese einzigartige Ausnahmeband verabscheut Stagnation ganz einfach aus tiefstem Herzen heraus.

Man kann eben immer nur besser werden, wenn man an einer Sache hartnäckig und zielstrebig dranbleibt. Vernünftig strebend allerdings, ohne dabei streberhaft zu sein, wie die beständigen Behemoth mit den neuen übermächtigen Songmonstern eindrucksvoll beweisen.

Ausgeprägten Intellekt und selten reifen Geist im Kombinat beweist mir Nergal wiederum im erneuten Interviewgespräch, als ich ihn zum neuen Manifest aushorche.

Genau so kennt man den unglaublich flinken Saitenderwisch; an diesem regnerischen Samstagvormittag hat er zwar gerade just sein Bett verlassen, ist aber bereits sehr fit und legt unverdrossen los:

„Was anderes bleibt mir auch nicht übrig“, gibt mir der langjährige Routinier schelmisch zu Protokoll, „denn wir befinden uns gerade mitten in den umfangreichen Vorbereitungen zu unserer in Kürze anstehenden US-Tour. Ich kann nun nicht behaupten, dass mich so was noch irgendwie großartig nervös macht, aber es benötigt halt schon eine ganze Unmenge an vorbereitenden Maßnahmen. Die Konzertreise wird sich über zwei Monate dort hinziehen, es sind also so einige Gigs dort zu spielen für uns. Es passieren gerade sowieso sehr viele neue Dinge um Behemoth herum, was uns anständig auf Trab hält“, berichtet er mit guter Laune in der Stimme.

Befragt man diesen wahren Maniker unter den betont anspruchsvollen Metal-Gitarristen daraufhin, ob er von einem der Heimat sehr verbundenen Menschschlag ist, der nicht so gerne in die unbekannte Fremde zieht, sprudelt es geradezu aus ihm heraus:

„Ich würde es so formulieren: Ich habe anhaltende Freude und Erfüllung daran, das Universum an sich zu entdecken. Das ist meine persönliche Mission auf dieser Welt neben der Musik. Doch pauschalisieren möchte ich den angesprochenen Kontext eigentlich eher nicht, denn das ist bei mir ehrlich gesagt doch sehr unterschiedlich. Manchmal bevorzuge ich es, gerade nach anstrengenden Studioaufenthalten oder Touren etc., tagelang zuhause bei mir zu relaxen und mich, man glaubt es kaum, sogar zu langweilen. Dann aber wiederum zieht es mich zuweilen regelrecht unaufhaltsam in die weite Welt hinaus, denn es gibt ja so unvorstellbar viel Interessantes, Reizvolles und Faszinierendes auf diesem tollen Planeten zu entdecken. Man sollte neugierig bleiben, solange man lebt. Dadurch bewahre ich mir einen gut ausbalancierten inneren Zustand.“

Von Behemoth’s 1995er Debütalbum „Sventevith (Storming Near the Baltic)”, einem lupenreinen Schwarzmetall-Scharmützel erzgehässiger Güte, bis zum heutigen Blast Beat-Inferno „Evangelion“ war es ein ebenso weiter wie beschwerlicher Weg.

Kopfmensch Nergal resümiert:

„Wir arbeiteten stets sehr hart, um das zu werden was wir heute sind. Dies fällt mir dazu primär ein. In dieser Zeitspanne gingen wir als Band durch viele Höhenflüge und Niederlagen. Wir haben alles nach besten Kräften gemeistert. Und obwohl es Behemoth schon ganze 18 Jahre gibt, entdecken wir bis heute noch immer ständig so viel Neues und so viel Feuer in uns für die Musik die wir kreieren. Ich gehe in diesem Kontext sogar so weit, dass ich für unsere Kompositionen gerne emotionale Umschreibungen wie `Leidenschaft` und `Liebe` dafür verwende.“

Damit liefert Nergal sich selbst gleich eine sehr probate Überleitung zum neuen schweren Death Metal-Monolith „Evangelion“.

„Ja, auch dieses Album, obwohl anders als alle anderen von uns, ist ein Beleg für unsere hauptsächlichsten Intentionen. Denn die Scheibe steckt trotz aller immensen Härte voller glühender Passion und kochendem Herzblut. Wir wollen Musik schließlich immer wieder aus reiner und unverfälschter Überzeugung machen, nicht aus Pflichtschuldigkeit etc. Nicht wenige erfolgreiche Bands aus dem extremen Genre schreiben beziehungsweise instrumentieren ihre Songs Jahr für Jahr immer wieder nach derselben Formel, die bei den Fans gut funktioniert. Ganz genau das aber wird man bei Behemoth niemals erleben, solange die Band auf dieser Welt existiert.“

© Markus Eck, 06.07.2009

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