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Interview: BATTLELORE
Titel: Es erklingt aus Mittelerde

Diese Finnen musizieren bereits seit 1996 unter dem wehenden Banner Tolkien'scher Einflüsse. Lief Battlelore anfangs noch als reine Projektband des Gründers Jyri Vahvanen nebenher und fand auch erst einige Zeit später zum finalen Bandnamen, verließ der kreative Gitarrist knapp zwei Jahre später seine Haupttruppe, um sich fortan nur noch Battlelore zu widmen.

Die mittlerweile zum Septett gewachsene Musikantenschar spielt auf ihrem Debütalbum „...Where The Shadows Lie“ äußerst facettenreichen und stellenweise verträumten Dark Metal voller heroischer Epik, welcher in seiner Gesamtkonzeption die Inhalte der Bücher des englischen Autors sehr detailgetreu wiederzugeben vermag.

Das reich an den verschiedensten wohlklingenden Nuancen erklingende Material der Band atmet eine schnell in ihren magischen Bann ziehende Authentizität, welche sich dadurch einiger Aufmerksamkeit gewiß sein kann.

Ich mache mich also frohgemut in die sagenumwobenen Reiche nach Mittelerde auf, um dort Viersaiten-Spieler Miika Kokkola in allerbester Erzähllaune pfeiferauchend vor seiner Hütte vorzufinden.

Es mutet allerdings schon wie ein großer Zufall an, daß die Band ausgerechnet jetzt, da die Verfilmung der Tolkien-Trilogie in aller Munde ist, ihr Debütalbum veröffentlicht.

„Viele glauben, wir wollten uns mit unseren Songs ein Stück vom großen Kuchen der Hysterie abschneiden, welche durch die Verfilmung entstanden ist. Aber die Idee zur Gründung einer solchen Band kam unserem Axeman Jyri bereits 1996, denn er war – wie sehr viele Metalfans – schon immer ein großer Liebhaber dieser Bücher. Er verlor Battlelore niemals ganz aus den Augen, kniete sich dann irgendwann voll rein und nun erscheint eben unser Debütalbum“, rechtfertigt sich der Bassist.

Er erzählt weiter: „Der Release genau zu diesem Zeitpunkt ist aber wirklich reiner Zufall, denn er war wirklich schon länger geplant. Wir hatten die Veröffentlichung von `...Where The Shadows Lie` schon lange im Auge, bevor jemand auch nur an den Tolkien-Film und den nachfolgenden Hype darum dachte. Wir können die Leute aber natürlich trotzdem verstehen, welche uns vorwerfen, eine Art `Tolkien-Trend-Combo` zu sein. Doch sie sollten auch unsere zuvor geschilderte Vergangenheit bedenken. Und der Film beziehungsweise die nachfolgenden Filme haben beziehungsweise werden uns nicht in unserem künstlerischen Tun beeinflussen. Im Gegensatz zu all den anderen Merchandisern wollen wir nämlich kein Geld mit der Hysterie um die Verfilmungen verdienen. Uns stören diese ganzen `Mittelerde-Toys` doch sehr, denn die Leute, welche diese Dinger aufgrund der Filme dann kaufen, haben doch meistens Null Ahnung von den eigentlichen Inhalten der Tolkien-Bücher.“

Wenn man die gelungenen Musikerportraits unter dem Einfluß der Musik von Battlelore im aufwendigen Booklet von „...Where The Shadows Lie“ so betrachtet, ist man schon beeindruckt.

Diese scheinen von den Maskenbildnern des Films höchstpersönlich kostümiert worden zu sein.

Battlelore sind jedoch keine Poser und tragen ihre authentischen Kostüme zum Glück der Fans auch stolz auf der Bühne.

Gitarrist Jyri, just frisch zum Gespräch dazugekommen, sieht sich hierbei wie der Rest der Band auch ein wenig als Schauspieler:

„Natürlich tragen wir die Sachen auch auf den Brettern. Mittelalterliche Klamotten, Hintergrundbanner, Masken etc. Auch versuchen wir bei jeder unserer Shows mit der Zeit mehr und mehr Effekte zu verwenden, was aber leider aufgrund diverser widriger Umstände nicht immer nach unserer Vorstellung restlos möglich ist. Eine Live-Show sollte unserer Meinung nach ja sowieso auch immer eine Art Performance sein und nicht nur ein lieblos heruntergespielter, von instrumenteller Routine dominierter Gig. Das wiegt gerade bei Battlelore umso mehr, weil wir ja ein dafür geradezu prädestiniertes Konzept erstellt haben. Leider liegen uns im Moment nicht sehr viele Angebote vor, um unsere Show zu zeigen. So müssen wir auf die Reaktionen auf `...Where The Shadows Lie` warten, die hoffentlich entsprechend enthusiastisch ausfallen werden.“

Der Albumtitel paßt hervorragend zur erwähnten konzeptionellen Ausrichtung der finnischen Verfechter überlieferter Werte inmitten phantastisch-imaginärer Welten, wie Jyri zu berichten weiß. „Natürlich ist auch er der Trilogie rund um die Ringe entlehnt. Aber wir dachten sehr lange darüber nach, welcher Titel unsere Musik am besten zu beschreiben weiß. Wir haben `...Where The Shadows Lie` dann gewählt, weil es eine kurze und sehr aussagekräftige Beschreibung des Landes Mordor und seiner bösen Bewohner ist.“

Auch für die textlichen Inhalte der Battlelore Songs lieferten die lyrischen Werke des berühmten britischen Universitätsprofessors eine breite Grundlage.

„Unsere Lyrics sind ebenso wie unser gesamtes Songmaterial ausschließlich von den Geschichten Tolkiens inspiriert. Alle in der Band lieben diese Bücher und daher waren wir geschlossen mit Feuereifer bei der Sache. Es war für die meisten von uns ja irgendwie auch wie die Erfüllung eines Kindheitstraumes – was wir seit Jahren gelesen hatten, können wir nun mit eigenen Songs wiedergeben. Man kann ja in den Büchern restlos versinken und Tolkien hat uns damit viele schöne Stunden voller Lesevergnügen beschert, welches der Realität enthebt. Dafür sind wir ihm natürlich auch sehr dankbar. So ist unser Erstwerk in gewisser Weise auch ein Tribut an ihn. Wir wollen auch in unseren Hörern Gefühle zum Leben erwecken, welche darin immer wieder zu finden sind: Wenn man beispielsweise als tapferer Krieger für das Gute auf eine entscheidende, bevorstehende Schlacht wartet und dann Auge in Auge mit dem Feind ist oder nach langer beschwerlicher Reise eine Rast an einem klaren Gebirgsbach einlegt usw.“

© Markus Eck, 26.02.2002

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