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Interview: BANNKREIS
Titel: Mit magischem Zusammenhalt

Diese gelinde gesagt ungehemmt humorvollen Berliner Spielleute sorgen derzeit emsig dafür, dass ihr erstes Album schon sehr bald fertig gestellt wird. Gegründet wurde diese betont zünftige Notenritter-Vereinigung Anfang 2011.

Beflissen dargeboten wird von der vierköpfigen Rotte namens Bannkreis mittelalterlich inszenierte Marktmusik, worin auch hierbei so relevante Faktoren wie perlende Verspieltheit, ausgeprägte Strukturkompetenz und tiefes Arrangement-Verständnis einige klangliche Kraft und höchste Mystik entwickeln können.

Mit von der hörenswerten Partie sind einschlägig erfahrene Mannen, wie beispielsweise der künstlerische Freigeist Okusa, den man bereits von seinem bisherigen Wirken bei Corvus Corax, Cantus Buranus, Tanzwut und Schelmish her kennt.

Trommler und Percussionist Klauz Klaason, ein vielfach erprobter Recke in dieser Meute, spielte schon bei der Formation Heidenlaerm und ist heute neben Bannkreis auch bei Cultus Ferox und Ostfront musikalisch aktiv.

Wenn es ihm danach ist, nennt er sich auch schon mal Kaiser Klauz Klaason Schmarrn. Wie dieser überzeugte Altertums-Musikant wissen lässt, steht der Gruppenname Bannkreis für absolute Eigenständigkeit.

„Allerdings entstand der Name schon fast aus der Not heraus. Blicken wir zunächst auf die etwas komplizierte Gründungszeit zurück: Ursprünglich hatten wir ein völlig anderes Projekt mit einem anderen Namen im Auge. Doch dieses Projekt mit dem klangvollen Namen ,The Kaiser Dollz Experience Group‘ war nicht unbedingt für mittelalterliche Feste oder Märkte geeignet. Der Grundgedanke für die Umsetzung dagegen schon. Hauptsächlich ging und geht es uns dabei um die musikalische Freiheit und mehr Vielfalt, die mehr umfasst als nur eine Musikrichtung. Es sollte eine breite Palette an Instrumenten verarbeitet werden, so wenig Grenzen gesetzt wie möglich und auch viele Musiker und Fans angesprochen werden. Es gibt eine Grundbesetzung, und, um die ganze Sache auch interessanter zu gestalten, wollten wir mit verschiedenen Gastmusikern zusammenarbeiten, und das im Studio wie auch auf der Bühne. Es musste also ein neuer Bandname her. Wir entschieden uns für ,Bannkreis‘. Denn wie wir finden, steht dieser für den magischen Zusammenhalt der Band und hat außerdem einen Bezug auf unsere derzeitige Heimatstadt, Berlin. Zu jedem Projekt gehören Erfolge und Misserfolge, Ideen werden geboren und wieder verworfen. Leider konnten wir nicht auf ein beständiges Line-Up bauen, was uns bislang schon sehr viel Zeit und Nerven kostete“, weiß der gestandene Musikus besonnen zu berichten.

Und er erzählt zu diesem Kontext angeregt weiter: „Frontmann, Sänger, Sackpfeifer und Schalmeien-Spieler Jordon, Dudelsack-Bläser Nixxuz, Sackpfeifer, Cister-Spieler, Flötist und Barde Tomtom, genau wie ich früher bei Heidenlaerm beschäftigt, verließen Bannkreis. Okusa, er spielte ehemals bei Schelmish, Corvus Corax oder Tanzwut, und ich gaben aber so schnell nicht auf und griffen auf die Grundidee der Kaiser Dollz zurück. Trotz des holprigen Anfangs trat die Band erfolgreich auf. Mit dabei die verschiedensten Gastmusiker aus der Mittelalterszene. Darunter waren befreundete Spielleute von Bands wie Capud Draconis, Cultus Ferox und vielen mehr. Ende 2011 konnten wir unseren lieben Kollegen und Freund Jordon für unser Projekt begeistern, er war vorher ebenfalls bei Corvus Corax beziehungsweise Adivarius zugange. Ich kann jetzt sagen, Bannkreis sind Okusa, Jordon und ich, Kaiser Klauz Klaason Schmarrn oder auch einfach nur Bullricht der Salzige. Es handelt sich quasi um eine Art Bannkreis.“

Die Liedertexte bei Bannkreis handeln, so Gevatter Klauz, von der Liebe, der Lust, von Fragen nach dem Hier und Jetzt und auch zu dem, was vor uns liegt.

„Es sind Lyriken, die zum Trinken und Tanzen auffordern genauso wie Texte, die alte Geschichten erzählen. Ein Panoptikum mittelalterlichen Liedguts also und gleichzeitig der Beweis, dass die Menschen früher eigentlich genau die gleichen Wünsche, Träume und Probleme hatten wie heute.“

Ein mittelalterlicher Lyriker, der es den Bannkreis-Kerlen ganz besonders angetan hat, ist laut Aussage von Klauz der alte Archipoeta.

„Archipoeta steht diesbezüglich sicherlich weit mit vorne bei uns. Er war der bekannteste Vagant seiner Zeit. Ein Umhertreiber und Spielmann, eben einer wie wir es sind, der es bis an den Hof des Kaiser Friedrich I. Barbarossa schaffte. Er ist sozusagen der Vater der kaiserlichen Marktmusik.“

Einen bestimmten Chef-Texter in der Mannschaft haben die Berliner jedoch aber nicht, wie dazu noch zu erfahren ist.

„Jeder bringt bei uns ein, was er für gut befindet. Jordon ist aber mit seinem Magister der Geschichte und Literatur derjenige, der darauf achtet, dass wir uns nicht in irgendwelchen Science Fiction-Unarten verlieren.“

Was die vier Bannkreisler nun so genau fasziniert an der mittelalterlichen Historie mit all ihren Mysterien und Legenden, diese Frage ist für mein Gegenüber relativ schwer zu beantworten, wie er zugibt.

„Jeden von uns fasziniert etwas anderes an der Zeit des Mittelalters. Das ist es aber, was das Mittelalter doch letztlich ausmacht. Diese farben- und facettenreiche Welt hat für jeden das Richtige in petto. Und so bunt wie das Mittelalter sind auch wir, und das wollen wir mit der Musik und den Texten bei Bannkreis ausdrücken.“

Er selbst erachtet die von seiner neuen Gruppe kreierte Historien- und Altertumsmusik für sich nicht als Eigentherapie, um den Problemen der Moderne effektiv zu begegnen. Der leidenschaftliche Milchschlucker hierzu in aller willkommenen Offenheit:

„Ich bin alt genug, um Probleme auf andere Art und Weise zu bewältigen. Ich muss auch niemanden mehr anprangern oder verurteilen. Und meine Meinung schreie ich auch nicht mehr ungefragt in die Welt hinaus. Ich bin ja kein Teenie mehr. Ich rebelliere heute meistens anders als noch vor 15 Jahren. Allerdings nutze ich die Bühne als eine Art von vielen möglichen partiellen Weltfluchten. Ich befinde mich in meiner Trommelblase und bin darin für einige Zeit fast unverwundbar. Das macht den Kopf frei und dient ebenfalls als Ersatz für ein stupides Training der Muskulatur. Der Künstler in mir strebt ja nicht nur nach Aufmerksamkeit und Anerkennung, sondern auch nach Überleben. Deswegen betrachte ich als Künstler die Kunst auch oft sehr nüchtern.“

Ein konkretes künstlerisches Ziel haben sich Bannkreis nicht direkt absteckt, weiß der Trommler und Percussionist zu offenbaren.

„Schließlich handelt es sich um kreatives Arbeiten. Wir wollten auch nichts Neues erfinden. Also braucht man sich über die Höhe des künstlerischen Zieles auch keine Gedanken zu machen. Auch wir wollen einfach nur ein wirklich gutes Werk abliefern. Aber in der Regel ist so ein Ziel bei uns circa 1,90 Meter hoch. Wir sind nicht so groß. Derzeit bin ich jedenfalls sehr zufrieden mit den Resultaten in Liederform. Aber wie ich mich kenne, hält diese Meinung meist nicht allzu lange an. Das liegt wohl in der Natur des Künstlers, somit habe ich auch irgendwann was dran auszusetzen. Dummerweise immer erst nach der Veröffentlichung. Aber eigentlich ist das auch ganz gut so. Und die Medienwelt ist offenbar sehr interessiert an Bannkreis. Die bisher veröffentlichten Demo-Tracks kamen sehr gut an. Nun warten alle da draußen ganz gespannt auf die fertige CD.“

Bannkreis ist eine Band, die bereits sehr zeitig mit ständigen Veränderungen klar kommen musste, wie sich der Trommler äußert.

„Wir befinden uns laufend in einer Identitätsfindung. Die Musik, die wir komponieren, ist so vielfältig, das wir uns schwer damit tun, die Titel für das kommende Album festzulegen. Die Band befindet sich im Entstehungsprozess. Ich finde es ziemlich spannend, diesem Bannkreis Leben einzuhauchen. Die Grundsteine beim Komponieren legt uns der Herr Okusa vor. Dann überlegen wir, was wir damit machen könnten. Zu Beginn reichen dabei Cister und Flöte. Dann wird die Instrumentierung bestimmt und danach geht es an das Aufnehmen. Oftmals wird alles wieder verworfen und es beginnt von vorn. Somit haben alle in der Gruppe Einfluss auf die Kompositionen. Klingt einfach, ist es aber nicht“, entfährt es dem Musikanten herzlich lachend.

Der Berliner Trupp hat laut nachfolgender Aussage von Klauz bereits einige Auftritte im vergangenen Jahr hinter sich. Der Mann resümiert hierzu in schwärmerischer Manier:

„Es ging kreuz und quer durch deutsche Lande. Wir haben es sogar bis in die Schweiz geschafft. Wir sind nun eine sehr entspannte Truppe, kein Stress, keine Streitereien. Das spürt auch unser Publikum. Somit hatten wir sehr viel Spass auf unseren Reisen. Andere Bands rühmen sich durch ausschweifenden Met-Konsum, uns reicht ein 24h-Milchautomat.“

Er selbst hat einen ganz individuellen Musikgeschmack, wie mein Gesprächspartner im Anschluss daran preisgibt. „Die einzigen, die derzeit meiner Ansicht nach anständig Dampf machen, sind die Schweizer Kollegen von Eluveitie. Oder die aus Lettland stammenden Skyforger. Die guten alten The Inchtabokatables sind meiner Ansicht nach aber auch sehr geil!“

Der Dialog dreht sich zum Schluss hin darum, worauf sich ein durstiger Spielmann wie Klauz für das weitere Jahr 2012 am allermeisten freut. Er macht es kurz: „Was die Band betrifft, so wünsche ich mir, das wir unser neues Album anständig und endlich abliefern. Da würde ich total in Freude geraten. Außerdem freue ich mich auf die Eröffnung des ersten deutschen 24h-Milchautomaten und über neue Schuhe.“

© Markus Eck, 13.02.2012

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