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Interview: ATROX
Titel: Musikalische Chaosmagie

Musiziere lieber ungewöhnlich. So könnte man die stilistische Direktive dieses norwegischen Quartetts ausdrücken.

Atrox existieren seit zehn Jahren und die vier sämtliche musikalischen Schubladen sprengenden Querköpfe weichen auch auf ihrem neuen und dritten Album „Terrestrials“ scheinbar keinen Millimeter von der weitab gängiger Linien befahrenen künstlerischen Route ab. Der überraschend avantgardistische, stark progressiv anmutende und experimentelle „Schizophrenic Metal“ – wie die Band ihr Schaffen selbst tituliert – besitzt zweifellos Einmaligkeitscharakter.

Diese neugierig machende Einschätzung weiß Front- und Tastenfrau Monika Edvardsen zusätzlich zu unterstreichen, welche mit ihrem schizophrenen, psychotisch-abstrusen und mitunter arabisch anmutenden Gesangsbild ein emotionales Faszinosum darstellt. Die bis zum Bersten gespannte Triebfeder dieser in allen Klangfarben schillernden Psychos entrollt Monika im Folgenden.

„Unser künstlerisches Hauptziel mit Atrox ist ganz einfach, so kreativ wie nur irgend möglich zu sein. Wir wollen simpel gesagt genau die Musik spielen, die uns gefällt. Und sie denen zugänglich machen, die sie hören wollen und ebenso mögen wie wir.“

Kompromisse? Niemals. Monika:

„Natürlich wäre es toll für uns, wenn Atrox bekannter und damit auch `größer` werden würde. Aber falls das für uns in irgendeiner Form Kompromisse und das daraus bedingte Zurückhalten guter Ideen bedeuten würde, möchten wir doch lieber bleiben wie wir sind.“

Für das Schreiben ihrer außergewöhnlichen Weltfluchtlieder benötigen die Norweger keine besonderen emotionalen Anlässe, wie man vermuten möchte, weiß die Dame meine Einschätzung zu korrigieren:

„Wir sind zum Glück keine Musiker, welche immer wieder auf eine ganz bestimmte Stimmung warten müssen, um Songs zu schreiben. Uns sind alle Gefühlsregungen recht, die sich in Kompositionen ummünzen lassen. So existiert in unseren Reihen auch lediglich eine entweder kreative oder unkreative Stimmung. Keiner von uns muß sich traurig oder verletzt fühlen, um Musik zu schreiben. Meiner Meinung nach ist es doch sogar um einiges schwieriger, in depressivem Zustand kreativ zu sein. Bei Atrox fängt man einfach an zu arbeiten und läßt sich dann von den entstandenen Emotionen zu neuen Gefühlsebenen und damit verbundenen neuen Ideen forttragen.“

Letztere müssen aber doch überwiegend aufwühlend-konfus sein, wenn man den aktuellen Stücken von „Terrestrials“ so lauscht. Monika relativiert dies:

„Die Gefühle, die wir mit unseren Stücken ausdrücken wollen, sind sehr vielfältig und werden tagtäglich von jedem Menschen durchlebt: Angst und Leid, Freude und Euphorie – aber ganz klar auch mal mehr oder weniger der reine Wahnsinn.“

© Markus Eck, 10.02.2002

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