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Interview: ASP
Titel: Rauschhafte Nüchternheit

Seiner schwergewichtigen Monumental-Veröffentlichung „Der Komplette Schwarze Schmetterling Zyklus I-V“ als auch der erfolgreichen Single „Wechselbalg“ lässt der anhaltend beliebte Düster-Rocker aus Frankfurt am Main das neue Studioalbum „Fremd“ folgen.

Und ASP, die als gehaltvolle musikalische Konstante bislang nicht nur tiefschwarz empfindende Szene-Gänger aus dem Gothic- und Electro-Bereich betören konnten, zeigen sich auf der neuen Liedersammlung erneut von der interessantesten Schaffensseite.

Ich befrage Sänger Alexander ,Asp‘ Frank Spreng dazu, was tief in ihm vorgeht, wenn er an die neuen Kompositionen denkt.

Und der Vokalist spricht offenherzig: „Dieses Mal spüre ich in mir vor allem Dankbarkeit und Genugtuung. Genugtuung deshalb, weil noch vor wenigen Monaten die ewigen Nörgler dort draußen Horror-Szenerien herauf beschworen, dass ASP nun am Ende wären. Wer aber dieses neue Album hört, der bemerkt: Es geht gerade erst los! Und Dankbarkeit empfinde ich, weil ich das machen darf, was ich immer tun wollte.“

Wir gehen zum vorangegangenen Kompositionsprozess über, der für „Fremd“ absolviert wurde. Asp:

„Beim Komponieren und Textschreiben bin ich immer völlig für die Welt verloren und in mich gekehrt. An die Zeiten kann ich mich danach kaum noch erinnern. Es ist wie ein Rausch, nur nüchtern und hochkonzentriert.“

Darf man sich als Interessierter bei diesem feinfühligen Musikus dazu überhaupt nach musikalischen Einflüssen erkundigen?

„Klar darf man“, so der Frontmann, „es gibt nur nie befriedigende Antworten. Es sind sehr viele Einflüsse aus den verschiedensten Musikrichtungen statt weniger ganz großer Einflüsse. Deswegen gäben einzelne Bandnamen eine zu große Gewichtung und würden die Leser nur in die Irre führen. Und ich möchte ja auch den Musikjournalisten nicht ihren Job klauen“, verlässt es unter einem bescheidenen Grinsen den Mund des Künstlers.

Für die neue Album-Veröffentlichung „Fremd“ wird in der dazugehörigen Presse-Info Gewichtiges wie beispielsweise „…neue Ära…“ und "…niemals zuvor hat sich das Warten so gelohnt…" angekündigt. Der Meister bezieht dezent amüsiert Stellung:

„Obacht vor den Pressetexten der Promotion-Agenturen! So selbstverliebt würden wir ja gar nicht von uns schreiben. Aber genau dafür sind solche Leute ja da, denn sie überwinden die Hemmungen, welche der Künstler in solchen Angelegenheiten oft Füße scharrend und errötend an den Tag legt. Und doch neige ich in diesem Falle dazu, der Meinung zuzustimmen. Ich empfinde das neue Album als ziemlich großen Wurf, als emotional aufwühlend und als ziemlich wuchtiges Brett. Selbst ich fühle mich beim Anhören von ,Fremd‘ zeitweise recht geohrfeigt, so rockt es. Ich habe derzeit das gute Gefühl, dass es ein Album ist, welches alten Fans ein enorm guten Gefühl erzeugen könnte. Aber auch ein Album, mit dem wir neue Freunde erreichen könnten. Es ist ein sehr persönliches und direktes Werk geworden, aber ich finde, es schafft die Gratwanderung zwischen vielen spannenden Gegensätzen.“

Der künstlerische Tiefgang als auch der immense graphische Aufwand, den die Urheber für die ASP-Tonträger betreiben, ist als ebenso beachtlich wie selten einzustufen.

Wie schätzt der Sänger sich innerhalb dieses Kontextes eigentlich selbst ein? Wir erfahren:

„Vielen Dank für das Kompliment! Nun, sowohl Tiefgang als auch der Aufwand für das Artwork: Das sind beides Dinge, die auch aus einer großen Lust heraus geboren werden. Für so etwas kann man noch so viele tolle Konzepte ausbaldowern, wenn jemand aber keine Freude an so etwas hat, dann wird das nicht funktionieren. Ich bin stets bemüht, den lyrischen Tiefgang so umzusetzen, dass er nicht belehrend wirkt oder sich in eitlen Metaphern-Hülsen verliert. Ich will eine gute Geschichte erzählen und die Leute unterhalten.“

Und am allerliebsten ist es diesem so philosophisch veranlagten Geist im Zuge dessen, wie er seinem vorherigen Statement dann noch anfügt, wenn man seine besagten Intentionen dabei erst auf den zweiten oder dritten Blick bemerkt. Asp lässt dahingehend wissen:

„Was die Artworks an sich angeht, so ist es hilfreich, wenn man ein Label hinter sich hat, welches diese versponnenen Ideen durch die dazugehörige Materialschlacht unterstützt. Sind wir doch mal ehrlich: Hier geht es ganz klar um Geld! Wenn man solche Verpackungen für die Fans umsetzt, dann muss man sowohl als Künstler als auch als Plattenlabel die Bereitschaft zeigen, auf Gewinn zu verzichten, da man die Kosten gar nicht 1:1 an den Musik-Fan weitergeben kann. Sonst würden diese Verpackungen schlicht unerschwinglich. Aber, hey, in Zeiten wie diesen, in denen sich die komplette Musikindustrie über Raubkopien und illegale Downloads beschwert, ist es vielleicht gar keine üble Idee, sich mit viel Liebe und Leidenschaft an tolle Tonträger zu wagen. Oder?“

© Markus Eck, 21.09.2011

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