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Interview: ANIMA SEMENTIS
Titel: Begleitmusik zum gesellschaftlichen Ruin

Auf ihrer neuesten akustischen Attacke, der EP „Interitum“, feiert diese qualitativ merklich vollauf entschlossene Nürnberger Killerkapelle eine stimmungsmäßig famos ausufernde Black Death Metal-Orgie.

Die erfreulich vielseitige Truppe gibt vom Fleck weg so richtig Vollgas in allen Belangen und kann mit ihrem aktuellen Material unerwartet schnell ins Zentrum des Bewusstseins schießen.

Brutal, kompetent, melodisch treffsicher und nicht selten mächtig arrangiert reiten Anima Sementis auf eingängigen Gitarrenmonstern alles andere als disharmonisch in ihr eigenes dunkles Mystikreich ein.

In wilder Rage wird dazu taktend gehämmert, als gäbe es nichts Schöneres, und so werden mit geradezu rhythmussüchtiger Manier die Schlachttrommeln überaus gekonnt malträtiert. Die bestens aufeinander eingespielte Horde kann damit ihr neues Repertoire überaus hörenswert demonstrieren.

„Interitum“, teils sogar inspirierend atmosphärisch angelegt, animiert bei entsprechender musikalischer Neigung zum Headbangen ebenso wie zum rohen Schwelgen.

„Als wir Anima Sementis gründeten, hatten wir von Anfang an die Black/Death Metal-Schiene angepeilt. Was anderes kam damals gar nicht in Frage. [grinst] Wir haben aber dennoch versucht, unseren eigenen Stil zu kreieren ... heute bezeichnen wir unsere Stilistik als ,Apocalyptic Black Death Metal‘. Doch in welche Schublade uns die Leute letztendlich stecken wollen, das ist uns eigentlich egal“, gibt Tastenmann Nick zu Protokoll.

Am Anfang übten Bands wie Dimmu Borgir oder Cradle Of Filth eine sehr inspirierende Wirkung auf den jungen Haufen aus, so der Keyboarder. Aber das hat nicht lange angehalten:

„Uns war es wichtig, etwas Eigenständiges zu kreieren und nicht nach einer billigen Imitation zu klingen. Heute lassen wir uns hauptsächlich von instrumentaler Musik inspirieren, wie beispielsweise von Hans Zimmers ,Two Steps From Hell‘. Ich finde tatsächlich, um deiner Frage-Erweiterung zu entsprechen, dass die Musik und die Beschäftigung mit der eigenen Band bei mir zur charakterlichen Entwicklung beigetragen hat. Dieses Hobby bietet einen guten Ausgleich zum beruflichen Alltag, es ermöglicht mir, mich zu entspannen sowie meine Aggressionen abzubauen. Im Weiteren höre ich mittlerweile eine größere Vielfalt an Musik, dies reicht von instrumentellen Einflüssen, über Rock, Country, Metal und vieles mehr“, wie Nick offenbart.

Gute Freunde und die Eltern unterstützen die Anima Sementis-Musiker schon von Beginn an, wie in Erfahrung zu bringen ist.

„Sie begleiten uns zu fast allen Auftritten. Sogar diejenigen, die mit Metal überhaupt nichts zu tun haben, finden die selbstgeschriebenen Lieder sowie das dahinter steckende Engagement großartig. An dieser Stelle: Vielen Dank an euch alle!“

Die drei Songs der neuen EP behandeln laut diesbezüglicher Auskunft des Stromorgel-Maniacs jeweils verschiedene Thematiken. Nick hierzu:

„So geht es in ,World Dominion Collapse‘, wie der Name schon sagt, um den Verfall der Welt, wie wir sie aktuell kennen: Der Abwendung von Werten, wie Ehrlichkeit, Moral oder auch dem klassischen Miteinander. Was zählt, ist Profit, Gier und Macht. Man stellt einfach immer mehr fest, das der kleine Mann nur noch ein Spielball in einem System ist, welches von den Menschen erwartet, entweder ununterbrochen zu funktionieren oder unterzugehen. Bei ,Ruins‘ griffen wir das Thema über das alte Reich in Ägypten auf. Der Begriff ,Amun‘, der im Refrain vorkommt, bezieht sich auf den Gott des Windes und der Fruchtbarkeit, wobei ,Ra‘ sich auf den Sonnengott ,Re‘ bezieht. Beides sind Elemente die den Aufstieg Ägyptens als Hochkultur erst ermöglichten, allerdings war auch diese Hochkultur, wie so viele, nicht für die Ewigkeit gedacht und musste schlussendlich untergehen. Unseren Sänger inspirierten stark die epischen Melodien in diesem Song, die einen beim Hören sofort an Pharaonen, Pyramiden, Wüstensand, etc. erinnern. Mit ,Masquerade Of Grace‘ schneiden wir wiederum einen anderen Aspekt an. Der Song ist, ähnlich wie ,Profanation In The Name Of God‘ vom ersten Album, stark auf das Thema Religion fixiert. Hierbei dreht es sich um den Kreuzzug, den sogenannte Prediger aller Religionen vollziehen um die Menschen auf ihre Seite zu ziehen, doch letztendlich vergiften sie meist den Geist ihrer Untergebenen und schüren den Hass zwischen den Völkern. Das Endergebnis reicht von Kriegen über Völkermorde bis hin zu Missbrauch.“

Anima Sementis-Sänger Marco berichtet hierzu aus aktuellem Anlass ergänzend, dass seine Einflüsse de facto meistens sehr verschieden sind. Wir erfahren:

„Oftmals werde ich durch alltägliche Erlebnisse zum Textschreiben inspiriert. Oder durch Medien wie Bücher, Internet, Nachrichten, etc. - während beim ersten Longplayer ,Sermons Of Lies‘ die Texte noch sehr stark von persönlichen Erlebnissen, die in fiktiven und apokalyptischen Geschichten eingebettet wurden, geprägt waren. So nehmen die Texte auf der aktuellen EP sehr stark Bezug zu geschichtlichen und religiösen Themen oder aktuellen Bezügen wie der Wirtschaftskrise und dem daraus resultierendem Elend. Wenn ich spezielle Bücher oder Autoren nenne müsste, die mich inspirieren, so würde ich die Johannes Offenbarung ,Sieben Plagen der Endzeit‘ nennen, Marc Aurels ,Selbstbetrachtungen‘ sowie Charles Baudelaires ,Le Fleurs du Mal‘. Im Weiteren auch noch das Gilgamesh Epos. Allgemein fasziniert mich, dass sich eine simple Passage durch sämtliche Epochen bewahrheitet hat: Nach dem Hochmut kommt der Fall.“

Da die Songs seiner Band laut anschließendem Statement von Nick immer komplexer werden, hat es beim Songwriting diesmal etwas länger gedauert als beim Debütalbum „Sermons Of Lies“.

„Aber auch das Verlassen unseres Sängers im Sommer 2010 hat ebenfalls die Verzögerung begünstigt. Wir waren deprimiert und antriebslos, denn es hat sich kein neuer Vokalist finden lassen. Doch ans Aufgeben haben wir nie gedacht ... zum Glück!“

Auf rein musikalischer Ebene erwartet die Hörer auf der kommenden Anima Sementis-EP-Werk eine härtere, brutalere und auch symphonischere Band, als es zuvor der Fall war. Der Keyboarder konkretisiert:

„Zerstörung! Die Songs gehen da weiter, wo ,Profanation In The Name Of God‘ vom Debütalbum ,Sermons Of Lies‘ aufgehört hat. Wir steigern uns mit der Zeit immer mehr. Alles wird reifer, klarer, durchdachter. Freunde und Verwandte, welche die neuesten Songs schon gehört haben, sind begeistert, was uns sehr freut. Das Feeling, welches beim Hören der Songs entsteht, ist für mich persönlich düster, aggressiv, apokalyptisch, geil.“

Das Songwriting bei Anima Sementis haben von Anfang an sein Bruder Max und er übernommen, so Nick.

„Wenn wir einen Song erstmal erschaffen haben, stellen wir ihn dann nachfolgend dem Rest der Band vor. Im Anschluss hat jeder die Möglichkeit dazu, Ideen einzubringen, um das Lied somit zu perfektionieren. Für die Songtexte hingegen ist Marco allein verantwortlich.“

Die neuen Songs wurden diesmal in den Ghost City Recordings Studios in Roth aufgenommen, gemischt und gemastert. Der Tastentipper addiert: „Wir nehmen unsere Songs immer passagenweise auf.“

Herausstechend bei einem Live-Gig von Anima Sementis ist laut Nick vor allen Dingen die Bühnenshow. „Einen großen Wiedererkennungswert haben dabei unsere selbst erstellten Outfits sowie unser Corpsepaint. Aber auch die Animation der Zuschauer durch unseren Sänger und natürlich auch das energische Auftreten der restlichen Bandmitglieder begeistert das Publikum, wie wir festgestellt haben. Wir freuen uns sehr auf weitere Möglichkeiten zu Gigs, sowie auf viele neue Fans und gerne auch über einen fairen Plattenvertrag.“

© Markus Eck, 02.04.2013

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