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Interview: ALCEST
Titel: Angebotene Zuflucht

„Ich denke nicht, dass in den neuen Kompositionen nun noch irgendwelche Metal-Elemente vorhanden sind“, verkündet Neige zum neuen und vierten Album „Shelter“, „dennoch gibt es viele sehr intensive Passagen und dynamische Momente darauf zu entdecken.“

In der Tat führte seine jüngste kreative Reise den sensiblen französischen Ausnahmemusiker und Visionär hinter Alcest zwar in bislang träumerischste, verspielteste und auch definitiv gefühlvollste Gefilde.

Doch der Sänger sowie Saiten- und Tastenspieler präsentiert den aktuellen Nachfolger zum 2012er Melancholic Post Rock-Langspieler „Les Voyages De L'âme“ auch mit geradezu unerhörter Shoegaze-Sinnestiefe.

Rückführung zum Mittelpunkt
Für Sehnsuchtsmeister Neige selbst ist „Shelter“ letztlich der geheimnisvolle Platz, das ganz bestimmte Lied, die völlig individuell damit in Verbindung gebrachte Person, wie er zu erzählen weiß.

„Aber gleichzeitig auch die große Leidenschaft, die einen sich selbst heftig spüren lässt. Und welche einen als Mensch eng und tief mit genau dem verbunden hält, was man in Wirklichkeit ist. Während gewisser Perioden des Daseins geschieht es uns allen doch immer wieder, zu vergessen, wer wir eigentlich sind. Dabei kann man sich verloren fühlen, oder man denkt, etwas verloren zu haben, das fest zu einem gehört.“

Zufluchtsorte aber erscheinen einem pur und unberührbar, wie der Phantasievolle diesbezüglich noch zu ergänzen weiß.

Sein ganz persönlicher Rückzugsplatz oder einer davon ist das dortige Meer im Sommer, mit seiner warmen Seeluft, mit seinen beinahe magisch fließenden Energien.

„Ich liebe es, bei perfektem Wetter an den Strand zu gehen, vor dem Meer zu sitzen. Und dabei einfach den Moment genießen zu dürfen, erfüllt von innerer Freude. Einfach und schlicht, aber immens kostbar.“

Neue Wesensseite, alter Charakter
Nachfolgend dazu befragt, ob er „Shelter“ als ein typisches Alcest-Album sieht, hält Neige zunächst inne.

„Ja und nein. Einige meinten, das Ganze höre sich doch sehr verschieden im direkten Vergleich mit den vorherigen Veröffentlichungen an, ganz speziell in Sachen Klangbild und Stilistik. Aber wenn auch die grundsätzliche Form sich verändert hat, so besteht der eigentliche Kern der Musik noch immer zu 100 % aus Alcest. Ich erachte ,Shelter‘ ganz einfach gesagt als eine andere Seite von Alcest. Die Identität hinter dem Namen ist eindeutig und ganz sicher noch immer vollauf vorhanden.“

Fokussierte Wirklichkeiten
Wie der französische Musikus mit Behutsamkeit im Stimmfall bekennt, ist ihm die neue Liedersammlung ohnehin ganz besonders ans Herz gewachsen.

„Diese Platte befasst sich mehr mit der Realität als die Vorgänger, mehr mit meinem eigenen Leben und meinen persönlichen Empfindungen und verspürten Emotionen. Ich habe mit ,Shelter‘ einen neuen musikalischen Anspruch für Alcest verwirklicht. Erstmalig kann ich mir sogar neue eigene Songs nach der Fertigstellung anhören, ohne irgendwas daran auch nur ansatzweise verändern zu wollen. Ich fühle mich sehr stolz mit ,Shelter‘. Ich habe viel Liebe auf Aufrichtigkeit in das Album einfließen lassen und hoffe, die Leute bemerken dies. So wird auch das nächste Alcest-Werk wieder mit ziemlich deutlichen Dream Pop-Direktiven versehen sein.“

© Markus Eck, 03.12.2013

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