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Interview: AKREA
Titel: Genau in der goldenen Mitte

Ziemlich cineastisch mutet der Titel des neuen Albums der bayerischen Melodic Death Metal-Individualisten an: „Stadt der toten Träume“.

Doch tote Träume hegen Akrea überhaupt nicht, wie die springlebendigen aktuellen Kompositionen offenbaren können. Und mit diesem dritten Longplayer zeigt das jährlich reifere Quintett um Shouter Sebastian „Sebi“ Panzer auf, dass Akrea enorm an Stilsicherheit gewinnen konnten.

Die Fans hatten die Veröffentlichungspause der Band länger als üblich abzuwarten. Drummer Jonas Nelhiebel legt dar, was primär zur Verzögerung des neuen Albums führte.

„Also primär wollten wir uns einfach keinen Stress machen. Wir wollten uns genug Zeit nehmen, um das für uns perfekte Akrea-Album zu präsentieren. Das brachte auch eine längere Vorproduktions-Phase mit sich.“

Letzteres lag auch hauptsächlich daran, so der Stockschwinger, dass die Bandmitglieder alle mittlerweile nicht mehr in ihrer Heimatstadt leben, sondern überall verstreut wohnen. Jonas:

„,Based in Northern Bavaria‘ natürlich, jedoch arbeiten wir teilweise weit weg. Wir haben uns da deshalb wieder voll und ganz auf Guitar-Pro Files gestützt, die wir über Dropbox ständig upgedatet haben. Wir haben die Songs alle aufgenommen und im Anschluss jeder für sich mehrmals angehört. Dann wurden die Schwachstellen der Songs analysiert und teilweise auch geändert. Unsere Plattenfirma steht da auch voll hinter uns und findet die Vorgehensweise gut so.“

Der Frage, was genau die Hörer auf musikalischer Ebene auf dem neuen Akrea-Werk erwartet, kommt der Kesselwart ebenfalls gerne nach. „Wir haben den Fuß etwas, aber wirklich nur etwas vom Gaspedal genommen. Die typischen Akrea-Baller-Knaller gibt es immer noch und Blastbeats wird man auch relativ schnell finden. Viele stimmige Melodien sind vorhanden, die einfach nur gut tun. Ich persönlich finde unser neues Album reifer, eingängiger und eigenständiger als alles zuvor.“

Und durchaus gibt es prägnante Unterschiede zum Album-Vorgänger in rein musikalischer Hinsicht auf „Stadt der toten Träume“.

„,Lügenkabinett‘ war ernst - ein gesellschaftskritisches Album, welches auch musikalisch eher hart und ernst war. Songs wie ,Bühne frei‘ beispielsweise sind so hart und schnell, dass ich uns manchmal selber nicht wiedererkannt habe. Mittlerweile haben wie die goldene Mitte gefunden zwischen ,Melodic‘ und ,Death Metal‘.“

Instrumentell gesehen haben auch an den neuen Akrea-Kompositionen wieder zum Großteil die Saitenmänner der Band daran gearbeitet.

„Sie basteln Riffs zu Standard-Beats, schreiben Soli und updaten ihre neuen Songs ständig gegenseitig. Wenn ein Song fertig ist, verschanze ich mich mit Laptop im Proberaum und bastel‘ einen Drumpart dazu. Das ist für mich dann der schönste Teil in der Entstehungsphase eines Albums. Am Schluss kommt dann der Text dazu.“

Welche Bands haben den Drummer wohl für die neuen Songs beeinflusst?

„Schlagzeugtechnisch waren Katatonia und Amorphis Reizgeber für neue Sounds. Ansonsten hat jeder von uns seine persönlichen Favoriten, deren Einflüsse man aber nicht immer sofort hört. Natürlich geben oft Genregrößen wie beispielsweise Amon Amarth, Dark Tranquillity, In Flames oder auch Arch Enemy den Takt an. Bei uns spielen diese Bands aber eher nur noch ne untergeordnete Rolle.“


Das spannendste bei der gemeinsamen Arbeit an den neuen Stücke war für Jonas zu sehen, wie Akrea sich innerhalb dieser langen Zeit musikalisch entwickelt haben. Wir erfahren:

„Wirklich toll, so eine längere Songwritingpause. Dadurch sind alle neuen Sounds ganz frisch und anders. Ansonsten war die gemeinsame Arbeit mit den Jungs wieder großartig unproblematisch.“

Aufgenommen wurde das neue Material der Gruppe bei Victor Bullok alias V. Santura in der Nähe von Landshut in Bayern. „Victor ist Gitarrist bei Dark Fortress und Triptykon. Er ist ausgebildeter Sound Engineer und absoluter Profi. Dort haben wir schon die ersten beiden Alben aufgenommen und es war auch dieses Mal wieder die absolut richtige Entscheidung den Sound in Victors Hände zu geben. Wir sind wieder total begeistert was er da gezaubert hat.“

Akrea haben Victors Studio dabei fast durchgängig von Anfang März bis circa Mitte April 2013 geblockt, wie Jonas dazu nachfolgend ergänzt. „Das war zwar organisatorisch stellenweise ziemlich schwierig für uns, sich die Zeit zu nehmen, aber eine Produktion am Stück durchzuziehen hat klare Vorteile. Man benötigt jedes Mal wieder Zeit um sich an das Recording zu gewöhnen und da ist eine durchgehende Recording-Session ganz klar besser.“

Sänger Sebi hat sich dieses Mal wie schon bei „Lebenslinie“ wieder von einem Videospiel inspirieren lassen. Jonas konkretisiert:

„Das war dieses Mal wohl ,Final Fantasy‘. Ich selber muss gestehen dass ich da eigentlich nicht so wirklich einen Bezug dazu habe, denn ich spiele keine Videospiele. Aber durch die sehr metaphernreichen Lyrics ist das auch gar nicht so schlimm. Sebi hat die Texte zwar auf Grundlage eines Video-Spiels geschrieben, sie sind aber dennoch sehr allgemein gehalten. Jeder hat auch die Möglichkeit die von Sebi beschriebenen Geschichten auf komplett andere Sachen zu beziehen. Der Hörer soll sich ruhig mit sich selber beschäftigen und sich Gedanken machen.“

Die ganz spezielle Stärke von Akrea auf der Bühne ist, so der Stockschwinger im Anschluss, die Energie, die dort von seiner Band ausgeht.

„Wir spielen live nicht weil wir müssen, sondern weil wir wollen. Das merkt man bei uns vom Anfang bis zum Schluss. Wir stehen alle zusammen gerne auf der Bühne und bieten unsere Musik dar. Das ist das, was wir tun wollen.“

Der weitere Dialog behandelt den Themenkontext des weltweiten Genres Melodic Death Metal. Darum gebeten, positioniert Jonas die Band wie folgt:

„Da unsere Texte in der deutschen Sprache verfasst sind, würde ich Akrea schon mal von ,weltweit‘ auf ,Deutschland/Österreich/Schweiz‘ degradieren. Nein, Spaß beiseite, so schlimm ist es nicht. Schließlich gibt es auch finnisch kreischende Bands, die in Deutschland erfolgreich sind. Eigentlich interessiert mich so ein Ranking nicht unbedingt. Es ist natürlich spannend sich mit anderen Bands zu messen. Aber ich tue mich schwer, Akrea da irgendwo einzuordnen. Ich denke, dass uns jeder Mensch irgendwo anders einordnen würde. Akrea im hier und jetzt eben.“

So erhofft sich der Schlagzeuger gemäß eigenem Bekunden für Akrea von 2013:


„1. Erfolgreiche Shows – ich hoffe, die Open Airs sind nicht so verregnet wie für Deutschlang üblich.
2. Glückliche Fans – ich hoffe, dass wir alle Fans glücklich machen mit unserem neuen Album.
3. Spaß – ich freue mich auf ein paar nette Minütchen mit meinen Jungs ,on the Road‘ zu verbringen.“



© Markus Eck, 21.07.2013

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